Deep Purple

Deep Purple [ˌdiːpˈpɜːpl̩] ist eine im April 1968 gegründete englische Rockband. Mit ihrem Stil, der vom Klang der Hammond-Orgel, markanten Gitarrenriffs, Improvisation, treibender Rhythmusarbeit und markantem Gesang geprägt ist, zählt sie zu den ersten und einflussreichsten Vertretern des Progressive Rock, Hard Rock und des aufkeimenden Heavy Metal. Deep Purple, und hier vor allem der Gitarrist Ritchie Blackmore, gelten auch als Begründer des Genres Neoklassischer Metal. Das Guinness-Buch der Rekorde verzeichnete Deep Purple 1975 dank ihrer 10.000 Watt starken Marshall-PA-Anlage, die bis zu 117 dB erreichte, als „lauteste Popgruppe der Welt“ (Loudest Pop Group). Deep Purple gehört mit über 130 Millionen verkauften Alben – nach manchen Schätzungen sind es 150 Millionen[7][8] – zu den weltweit kommerziell erfolgreichsten Rockbands.

Im Verlauf der von zahlreichen Besetzungswechseln geprägten Bandgeschichte erfolgten dabei auch musikalische Neuausrichtungen. Im Frühwerk der Band stehen Psychedelic Rock, Progressive Rock und Bluesrock (Hush) neben Annäherungsversuchen zwischen Rockmusik und Klassik (Concerto for Group and Orchestra, Anthem, April). Stilprägenden Einfluss hinterließen dann jedoch vor allem die klassische Mark II Besetzung der 1970er Jahre, deren Schaffen prägnante Hard-Rock-Songs mit eingängigen Riffs wie Black Night, Smoke on the Water und Highway Star einschließt, aber auch von besonderer Improvisationsfreude geprägt ist. Diese äußert sich einerseits in Titeln von ungewöhnlich langer Spieldauer wie Child in Time, andererseits bei den Live-Darbietungen der Songs, wie Space Truckin’, die gegenüber den Studioversionen wesentlich in ihrer Länge ausgedehnt wurden.

Deep Purple lösten sich nach zahlreichen Querelen 1976 auf. Ihre Mitglieder formierten Nachfolgebands wie Rainbow, Whitesnake und Gillan, in denen ihre Musik ein musikalisches Erbe fand. Die Besetzungen seit der Wiedervereinigung von 1984 orientieren sich musikalisch an dieser erfolgreichsten Phase der Band, wenn auch seit den frühen 1990er Jahren verstärkt unter Hinzunahme poppiger Elemente.

Bandgeschichte

Die Bandgeschichte war von häufigem Personalwechsel geprägt, sodass sie in den bisher knapp vierzig aktiven Jahren zumeist nur wenige Jahre aus denselben Mitgliedern bestand. Die verschiedenen Besetzungen werden häufig mit der vorangestellten englischen Bezeichnung „Mark“ (Mk) durchnummeriert.

Gründung und erste Erfolge

Deep Purple entstand, als die Londoner Geschäftsleute Tony Edwards und John Coletta 1967 beschlossen, in eine Rockband zu investieren, und Jon Lord mit der Gründung einer Rockgruppe beauftragten. Aus der Band „Roundabout“, die sich damals aus Ritchie Blackmore, Jon Lord von den „Flowerpot Men“, Chris Curtis (Gesang, Ex-„Searchers“-Schlagzeuger), Dave Curtiss (Bass) und Bobby Woodman (Schlagzeug) zusammensetzte, bildete sich im April 1968 nach dem Ausscheiden von Curtis, Woodman und Curtiss, Deep Purple. Die Besetzung war vorher durch Rod Evans (Gesang), Ian Paice (Schlagzeug) (beide Ex-„The Maze“) sowie Nick Simper (Bass) vervollständigt worden.

Auf den neuen Namen „Deep Purple“ kam die Band nach einer kurzen Tour durch Skandinavien. Der Name lässt sich zwar aus dem Englischen als „tiefes Purpur“ übersetzen und gilt dort als Slangbegriff für LSD, tatsächlich bezieht sich der Name jedoch auf den Swing-Song Deep Purple („When the Deep Purple Falls…“) von Peter DeRose, der als Jazz-Standard gilt und unter anderem durch die Interpretation von Artie Shaw bekannt ist.

Die Band spielte in der Mark-I-Besetzung drei Alben ein.

Das Debütalbum Shades of Deep Purple aus dem Jahr 1968 zeigte eine Mischung verschiedener musikalischer Ansätze, die mit der „typischen Deep-Purple-Musik“ der 1970er Jahre noch wenig Verwandtschaft zeigt. Das Album selbst wurde innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen. Der noch an der Popmusik der Beatles orientierte Sound war in seiner „Härte“ für die damalige Zeit teilweise ungewöhnlich. Er wird daher von Kritikern als Grundlage für die Entwicklung des Hard Rocks und späteren Heavy Metals angesehen. Das Album enthält neben eigenen Songs wie Mandrake Root, das lange Zeit die Basis für die ausufernden „Live-Duelle“ der Band war, auch einige Coverversionen, unter anderem Help! von den Beatles, Jimi Hendrix’ Hey Joe und das von Joe South geschriebene Hush. Mit Letzterem hatte die Band ihren Durchbruch in den USA, wo die Single Platz 4 der Charts erreichte. Am 6. Juli trat die Band im Vorprogramm der Byrds erstmals auf britischem Boden auf.

Noch im gleichen Jahr wurde das zweite Album The Book of Taliesyn veröffentlicht, das teilweise auch Merkmale des Progressive Rock sowie die später oft verwendeten klassischen Zitate aufweist (hier in einer Kurzversion von Beethovens zweitem Satz seiner siebten Sinfonie in Exposition). Ein Beispiel für die Verwendung klassischer Instrumente und Formen ist der Mittelteil von Anthem, in dem ein vierstimmiges Fugato der Streicher erklingt. Das Album beinhaltet neben eigenen Kompositionen Coverversionen von Klassikern wie We Can Work It Out (The Beatles) und Kentucky Woman (Neil Diamond). Kritiker wie die Zeitschrift Disc & Music Echo lobten, obwohl sie auf dem „leicht enttäuschenden Album“ den wirklichen „Kick“ vermissten, den „Sinn der Band für Dynamik sowie die Verbindung instrumentaler Passagen mit bekannten Themen“. Nach der Veröffentlichung tourte Deep Purple als Vorgruppe von Cream, und danach „auf eigene Faust“, durch die USA.

Das dritte, schlicht Deep Purple betitelte Album erschien 1969. Manche Songs, wie das zwölfminütige April, das eine Dreiteilung (Band – Orchester – Band) aufweist, verweisen wieder auf klassische Modelle und Ästhetik. Der Titel war einer der ersten der bald darauf beliebten „Rocksuiten“ von Progressive-Rock-Bands wie The Nice, Emerson, Lake and Palmer oder Genesis. Zudem zeigt sich auf diesem Album erstmals auch vermehrt der Hard Rock, durch den die Band zu weltweiter Bekanntheit gelangte. So zum Beispiel in Bird Has Flown oder The Painter. Mit Lalena von Donovan ist auch nur noch eine Coverversion vertreten.

Erste Wechsel und wachsende Popularität

Mitte 1969 wurden Evans und Simper durch den Sänger Ian Gillan und den Bassisten Roger Glover ersetzt. Die beiden hatten zuvor schon mehrere Jahre lang in der Band „Episode Six“ zusammen gespielt. Mit der Verpflichtung dieser Musiker entstand die klassische Mk-II-Besetzung.

Zunächst standen primär Jon Lord und seine Musikvorstellungen im Rampenlicht. Der klassisch ausgebildete Musiker hatte ein Werk für Rockband und Orchester geschrieben, Concerto for Group and Orchestra, das gemeinsam mit dem „Royal Philharmonic Orchestra“ in der Royal Albert Hall unter der Leitung von Malcolm Arnold uraufgeführt wurde. Es war einer der ersten Versuche, klassische und Rockmusik zu kombinieren, und die erste Aufführung einer Rockband mit einem kompletten Orchester. Obwohl das Projekt vom Publikum und Teilen der Kritiker wohlwollend aufgenommen wurde, waren einige Bandmitglieder, vor allem Blackmore, damit nicht zufrieden. Unter anderem aufgrund der Angst vor einem Imageverlust der Band wurde beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen.

Weltweiter Erfolg

Das 1970 veröffentlichte Album Deep Purple in Rock kann als ein Wendepunkt in der Geschichte der Band wie auch in der Geschichte der Rockmusik gesehen werden. Es war das erste auch in Europa erfolgreiche Album, was zahlreiche Goldene Schallplatten und Spitzenchartplatzierungen belegen. In Großbritannien erreichte es die Chartposition vier und verbrachte in Deutschland gar zwölf Wochen auf Platz eins. Das Werk vereint die für die Folgezeit typischen musikalischen Merkmale: Markante Hard-Rock-Riffs Blackmores, Lords klassische Kadenzen und Figuren, Gillans ekstatischen Gesang sowie die in Titeln wie „Speed King“, „Child in Time“ und anderen Songs besonders live offen ausgetragene Konkurrenz zwischen Lords Orgel und Blackmores Gitarre. Diese Konkurrenz ist allerdings, häufig in der Form eines Call and Response (wie im Notenbeispiel zu „Speed King“), musikalisch durchaus fruchtbar. Die harten Rockriffs von Blackmore haben sich nun definitiv durchgesetzt. Die klassischen Elemente erscheinen zunehmend als notfalls auch verzichtbare Zutat einer primär Hard-Rock-orientierten Musik. Auf der sicheren Basis von Paice und Glover entwickelte sich der Stil zu einer sehr rhythmusbetonten, geradlinigen Musik weiter. Das im Anschluss an das Album produzierte Lied Black Night wurde die erfolgreichste Single der Band seit Hush. Black Night gelangte auf Platz 2 der britischen Charts, und als bisher einziges Lied von Deep Purple auf Platz 1 europäischer Single-Charts (in der Schweiz für vier Wochen im Herbst 1970).

Dieses Album bedeutete den weltweiten Durchbruch der Band und fokussierte internationale Aufmerksamkeit. 1971 gründeten die Musiker ihr eigenes Platten-Label Purple Records. Auch das im Vergleich zum Vorgänger experimentellere, progressivere, 71-er Album Fireball mit den Klassikern Fireball, The Mule sowie der Hitsingle Strange Kind of Woman erhöhte die musikalische Reputation und Popularität der Band. Es war das erste Deep Purple Album das die Nummer 1 Position der britischen Album Charts erreichte, und das erste von bisher insgesamt 8 Nummer 1 Studioalben der Band. Fireball erhielt in einigen Ländern Gold-Status und war vorwiegend auf dem 1. Platz oder auf den folgenden Rängen der internationalen Albumcharts zu finden.

1972 erschien Deep Purples meistverkauftes Studioalbum Machine Head mit den heute noch live gespielten Titeln Highway Star, Smoke on the Water, Lazy und Space Truckin’, die immer mehr von Blackmores Gitarrenspiel beeinflusst wurden. Fireball und Machine Head zählen neben Deep Purple in Rock zu den bedeutendsten Deep-Purple-Alben. Das Album erreichte in zahlreichen Ländern Gold, Platin- bzw. Doppel-Platin-Status und in neun Ländern die Position 1 der Single Charts. Die Singleauskopplung des wohl bekanntesten aller von Deep Purple geschriebene Songs, Smoke on the Water, ist bis heute eine der meistverkauften der Bandgeschichte und zählt zu den bekanntesten Rocksongs überhaupt. Er wurde entgegen der Band Deep Purple in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Am 30. Juni 1972 spielte Deep Purple im Rahmen ihrer Machine Head Tour im Rainbow Theatre von London, wo die Band einen Lautstärkeweltrekord mit 117 dB aufstellte, der ihr 1975 einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde als „lauteste Popgruppe der Welt“ einbrachte. Auf dem kurzzeitig nach Machine Head erschienen Doppel-Live-Album Made in Japan stellte die Band Spielfreude, instrumentale Raserei und Improvisationsvermögen in gegenüber den Studiotiteln teilweise doppelt so langen Versionen eindrucksvoll unter Beweis. Das Album gilt als eines der populärsten und meistverkauften Livealben der Musikgeschichte. Made in Japan erreichte in zahlreichen Ländern Platin resp. Doppel-Platin-Status.

Da die Band sehr häufig weltweit auf Tournee war, kam es zu Spannungen und Konflikten zwischen den Musikern. Zu den Aufnahmen von Who Do We Think We Are im Jahr 1973 gingen die Bandmitglieder getrennt ins Studio. Zunächst hieß es, man wolle die Band komplett auflösen, später wurden nur Ian Gillan und Roger Glover, vermutlich vor allem wegen der Differenzen mit Ritchie Blackmore, ausgetauscht. Das letzte in der Mark-II-Besetzung eingespielte Album, das allgemein „bluesiger“ als seine Vorgänger war, hatte trotz des Hits Woman from Tokyo und weltweiter Spitzenpositionen in den Albumcharts erstmals rückläufige Verkaufszahlen und wurde von Kritikern weniger positiv als die vorangegangenen Alben bewertet.

Umbesetzung und Ausstieg Blackmores

Nachdem die Verpflichtung des Bad-Company-Sängers Paul Rodgers scheiterte, verpflichtete die Band den damals unbekannten David Coverdale. Als Bassist schloss sich der vormals bei der Band Trapeze aktive Glenn Hughes an, der Coverdale vor allem in den hohen Stimmlagen auch gesanglich unterstützte. Diese Besetzung wurde Mark III genannt.

Die folgende Aufnahme für Burn war, ausgenommen dem „metallischen Titelsong“ Burn, bluesorientierter als ihre Vorgänger. Ein weiteres Highlight neben dem Titelsong ist das oftmals gecoverte Bluesrockstück Mistreated. Um den Verkauf des Albums voranzutreiben wurde Burn in Bezug auf das Musikmagazin Billboard von der Plattenfirma als das Top Album Artists of the Year in the U.S.A. beworben. Nur etwas über einen Monat nach der Veröffentlichung erhielt die Band die Goldene Schallplatte für 500.000 in den USA verkaufte Alben. Nach der Albumveröffentlichung folgte die übliche Promotion-Tournee, wobei der Band im Frühjahr 1974 vor einem Konzert in Birmingham 29 Goldenen Schallplatten überreicht wurden. Bekannt ist ihr Auftritt beim California Jam am 6. April desselben Jahres, dem größten Deep-Purple-Konzert mit etwa 200.000 verkauften Karten, bei dem die Band als Headliner gemeinsam unter anderem mit Emerson, Lake and Palmer und Black Sabbath auftrat. Am Ende der Show, während der Darbietung von Space Truckin’ zerstörte Ritchie Blackmore mehrere seiner Gitarren, demolierte eine Fernsehkamera und ließ seine Monitorboxen mit Benzin abbrennen.

Das Ende 1974 erschienene Album Stormbringer ist ausgenommen einiger riffbetonter Rocksongs wie dem Opener Stormbringer noch soul-, blues- und funkorientierter als Burn, und beinhaltet auch die Ballade Soldier of Fortune. Im Frühjahr 1975 verließ Gitarrist Ritchie Blackmore nach einigen Querelen die musikalische Ausrichtung der Band betreffend Deep Purple, um seine eigene Band Rainbow zu gründen.

Krise und Auflösung

Der Rest der Gruppe tat sich schwer damit, einen geeigneten Ersatz für Blackmore zu finden, da dieser als Gründungsmitglied den Bandstil entscheidend mitgeprägt hatte. Schließlich konnte man sich auf den von Coverdale vorgeschlagenen US-amerikanischen Fusion-Gitarristen Tommy Bolin einigen. Somit wurde die mittlerweile vierte Besetzung der Band, Mark IV, begründet. Bolin hatte zuvor bereits unter anderem bei der James Gang und auf Billy Cobhams Album Spectrum mitgewirkt. Seine Erneuerungsbemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt: Das speziell in Hughes’ Bassspiel und Bolins Rhythmusgitarre verstärkt auf Soul- und Funkelemente setzende Album Come Taste the Band erwies sich, gemessen an den Verkaufszahlen der vorherigen Alben, als kommerzieller Flop. Das Album beinhaltet nur wenige Highlights wie die Rockballade You Keep on Moving. Ein Kritiker der Zeitschrift Sounds bezeichnete es als „üblen Verschnitt“. Im Booklet des 1995 neu veröffentlichten Albums Malice in Wonderland von Paice Ashton Lord wird Ian Paice‘ Erklärung zur Besetzung mit Bolin zitiert, in der er zwar die Zusammenarbeit mit diesem lobt, aber auch auf dessen Heroinabhängigkeit hinweist.

Schwere Drogenprobleme von Hughes und Bolin, aber auch unterschiedliche musikalische Vorstellungen der Mitglieder zerstörten den Zusammenhalt der Band. Coverdale, Lord und Paice lösten daher im März 1976 die Band nach einem letzten Konzert in Liverpool auf.

Die Jahre nach Deep Purple

Ein tragisches Ende fand der Gitarrist Tommy Bolin. Nur wenige Monate nach der Auflösung starb er nach einem Schwächeanfall am 4. Dezember 1976 im Alter von 25 Jahren. Noch am Abend zuvor hatte er ein Konzert im Vorprogramm von Jeff Beck gegeben. Als Todesursache wurde eine Überdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol angegeben.

In den folgenden Jahren widmeten sich die Künstler besonders Soloprojekten. Ritchie Blackmore konnte mit seiner Band Rainbow große Erfolge erzielen. Roger Glover arbeitete als Produzent, unter anderem für namhafte Bands wie Judas Priest, Nazareth und Elf. Später veröffentlichte er zwei Soloalben, bevor er sich 1978 ebenfalls Rainbow anschloss. Lord und Paice waren gefragte Live- und Studiomusiker (Gary Moore, Whitesnake, Cozy Powell, Pete York). David Coverdale gründete Whitesnake, wo sich 1978 auch Jon Lord und wenig später Ian Paice einfanden. 2015 gab die Band das Tributealbum The Purple Album, das 15 Songs aus seiner Deep Purple Zeit beinhaltet. Ian Gillan baute zunächst (1975 bis 1978) die Ian Gillan Band auf, die sich am Jazzrock orientierte. 1978 löste er diese Band auf und gründete eine neue Formation die schlicht Gillan hieß, und stilistisch in die Bereiche Hard Rock, Heavy Metal und NWOBHM einzuordnen ist. 1983 schloss sich Gillan kurzzeitig mit geringem Erfolg Black Sabbath an.

1980 versuchte der ehemalige Sänger Rod Evans mit einigen unbekannten Musikern unter dem Namen Deep Purple die Band fortzuführen. Weil Evans nicht die Namensrechte hatte, erwirkten John Coletta und Tony Edwards durch Warner Bros. eine gerichtliche Verfügung, die es ihm untersagte, unter dem Namen Deep Purple zu firmieren. Daraufhin nannte er die Band New Deep Purple. Nun gaben Coletta und Edwards eine Anzeige in der Los Angeles Times auf: „Beim morgigen Auftritt von Deep Purple in der Long Beach Arena werden folgende Mitglieder nicht dabei sein: Blackmore, Coverdale, Gillan, Glover, Hughes, Lord und Paice.“ Das Projekt löste sich nach einigen Konzerten in den USA, Kanada und Mexiko auf, da es auf harsche Kritik und breite Ablehnung der Fans stieß.

Comeback und Anknüpfen an alte Erfolge

Im Jahr 1984, acht Jahre nach der Auflösung, unternahm der britische Plattenkonzern PolyGram erhebliche Anstrengungen, um Deep Purple in der Mk-II-Besetzung wieder ins Leben zu rufen. Einem Gerücht zufolge sollen jedem Musiker zwei Millionen Dollar angeboten worden sein. Da der Erfolg von Rainbow schwand, Lord und Paice mit der Ausrichtung von Whitesnake nicht mehr zurechtkamen und Gillan bei Black Sabbath „den Hut nehmen musste“, raufte sich die Band zusammen, um Perfect Strangers, ein überraschend frisches Album, aufzunehmen. Das Album enthielt mit prägnanten Riffs („Knocking at Your Back Door“) und schnellen instrumentalen Duellen von Blackmore und Lord („A Gypsy’s Kiss“) die bewährten „Deep-Purple-Zutaten“ in leicht modernisiertem Sound und verkaufte sich gut, ebenso wie die nachfolgende Tournee, bei der die Band im englischen Knebworth gemeinsam mit den Scorpions, Meat Loaf und UFO vor etwa 80.000 Fans spielte. Der Musikexpress konstatierte, dass die Band „auch musikalisch an alte Großtaten anknüpfe“, und die Neue Zürcher Zeitung lobte die „publikumswirksame Bühnenshow“, während der Stern eher eine „laue Altherrenriege“ am Werke sah.

1987 wurde das Album The House of Blue Light eingespielt, auf dem die Band wieder musikalisch risikofreudiger (z. B. auf Strange Ways) sein wollte. Blackmore benutzt hier zum ersten Mal Gitarrensynthesizer, und Paice setzt elektronisches Schlagzeug („The Unwritten Law“) ein. Im Jahr darauf erschienen das Live-Album Nobody’s Perfect und eine neue Version des ersten Hits Hush. 1989 wurde Ian Gillan erneut entlassen, weil er mit Blackmore in Streit über die musikalische Ausrichtung geraten war. Nach seiner zweiten Trennung von der Band erklärte er selbst, dass er zukünftig nicht noch einmal bei Deep Purple mitwirken wolle:

„Ich kann an Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.“

Für ihn wurde auf Initiative Blackmores hin der frühere Rainbow- und Yngwie-Malmsteen-Sänger Joe Lynn Turner verpflichtet. Damit bestand die Band mehrheitlich (Glover, Blackmore, Turner) aus der letzten festen Rainbow-Besetzung. Es entstand das Album Slaves and Masters, von dem klanglich deutliche Parallelen zu den späten Rainbow gezogen werden können. Allerdings wurde der neue Sänger von den Fans nicht akzeptiert, was einer der Gründe dafür war, dass Turner die Band nach nur einem Album und einer Tour wieder verlassen musste.

Gegen den Widerstand Blackmores wurde Gillan auf Betreiben von Lord, Paice und Glover wieder in die Band geholt, obwohl er sich vorher dagegen ausgesprochen hatte. Damit war es möglich, das folgende Album The Battle Rages On, auf dem sich unter anderem die bekannten Songs „Anya“ und „Solitaire“ finden, erneut in Mk-II-Besetzung einzuspielen. Die Differenzen innerhalb der Band bestanden jedoch weiterhin: Im Anschluss an eine Europa-Tournee zum Album verließ Blackmore am 17. November 1993 nach seinem letzten Auftritt in Helsinki auf eigenen Wunsch die Band, weil er mit Gillans gesanglicher Leistung nicht zufrieden war. In einem späteren Interview erklärte Roger Glover hierzu:

„[…] wir sollten noch in Japan spielen, aber Ritchie wollte das plötzlich nicht. Wir haben dann versucht mit ihm zu reden, ich rief ihn an und sagte: ‚Bitte – bitte spiele diese Gigs mit uns.‘ Er antwortete nur: ‚No!‘ Sonst nichts. Er ließ nicht mit sich reden“

Da die Band eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Veranstalter vermeiden wollte, begab sie sich auf die Suche nach einem kurzfristigen Ersatz. Nach nur drei Tagen Probe half Joe Satriani als Gitarrist für die Tournee aus und sprang auch noch auf einer weiteren Tour durch Europa in der ersten Jahreshälfte 1994 ein. Er wurde gebeten, Blackmore dauerhaft zu ersetzen, konnte wegen seines Plattenvertrages aber nicht bei der Band bleiben.

Morses Einstieg

Obwohl es sich als schwieriges Unterfangen erwies, die Fanbasis von einer neuen Deep-Purple-Besetzung ohne Ritchie Blackmore zu überzeugen, fand man schließlich mit dem Gitarrenvirtuosen Steve Morse (vorher unter anderem bei Kansas und den Dixie Dregs) einen akzeptablen Ersatz. Morses neue Interpretationen des existierenden Blackmore-Materials schufen einen eigenständigen Sound und lösten damit gemischte Gefühle aus. Mit seinem Einstieg fanden seither zahlreiche, aufgrund von Blackmores Weigerung nie oder nur in seltenen Ausnahmefällen live gespielte, weniger bekannte Songs aus den 1970ern Einzug ins Live-Set. Diese sind etwa auf den Alben Live at the Olympia ’96 und Live at Montreux zu hören. In dieser Besetzung spielten Deep Purple 1996 das etwas ruhiger klingende, zum Teil musikalisch neue Wege beschreitende Album Purpendicular ein, über das die Zeitschrift Audio urteilte: „Den britischen Hardrock-Haudegen ist ein feines, über weite Strecken erstaunlich melodiöses Alterswerk gelungen. Purpendicular öffnet nach eher einfallslosen Schema-F-Alben endlich neue Horizonte.“ 1998 folgte in gleicher Besetzung das wieder härtere Studiowerk Abandon.

Deep Purple nach 2000, Ausstieg von Jon Lord

2001 erkrankte das Deep-Purple-Gründungsmitglied Jon Lord während einer Tournee, so dass die Band kurzzeitig Don Airey für ihn engagierte, der schon mit Ozzy Osbourne, Jethro Tull, Gary Moore und Rainbow gespielt hatte. Im März des folgenden Jahres beschloss Lord seinen Ausstieg bei Deep Purple, um sich einer Solokarriere widmen zu können. Nach den positiven Erfahrungen auf der vorangegangenen Tour verpflichtete man Airey als fixen Keyboarder. In diesem Line-up wurde 2003 das Album Bananas veröffentlicht. Die Aufnahme von Airey wurde von vielen Seiten als Bereicherung aufgefasst, man nahm den „frischen Wind“, den er in die Band und in das Songwriting gebracht habe, sehr wohlwollend auf. Es bietet mit Titeln wie dem an Dire Straits erinnernden „Walk On“ oder dem lateinamerikanisch angehauchten „Doing It Tonight“ nicht nur den gewohnten „Purple-Sound“. Die Hi-Fi-Zeitschrift Stereoplay rezensierte es als „ein herzerfrischend und unkompliziertes, schlackenfreies Rock-Album mit starken Riffs und einem Gesang, der immer noch seinesgleichen in der Szene sucht.“

Deep Purple trat im Rahmen der weltweiten Live-8-Benefizkonzerte am 2. Juli 2005 in Barrie auf. Im Oktober 2005 erschien das Studioalbum Rapture of the Deep. Es folgte eine Welttournee Anfang 2006 (in Deutschland zusammen mit Alice Cooper). Ebenfalls Anfang 2006 erschien die 4-CD-Box Live Across Europe 1993, die zwei komplette Konzerte (Stuttgart und Birmingham, England) der letzten Deep-Purple-Tour in der Mk-II-Besetzung enthält. 2007 erhielt die Band einen Award für mehr als 100.000 Tickets, die sie im selben Jahr in Frankreich verkauften. Im selben Jahr erreichte ihre Rapture of the Deep Tour auf Planet Rock die sechsthöchste Position aller Konzerttourneen weltweit.

Im Jahr 2008 jährte sich die Gründung der Band zum vierzigsten Mal. Neben ihren rockigen Livekonzerten ist sich die Band stets als Mittler zwischen Rock und Klassik treugeblieben, was zahlreiche Auftritte mit Symphonieorchestern und Gastmusikern wie Ronnie James Dio und Bruce Dickinson (Iron Maiden) in der Londoner Royal Albert Hall oder im Amphitheater von Verona belegen. 2009 eröffneten Deep Purple in musikalischer Hinsicht die Nordische Skiweltmeisterschaften 2009 in Liberec, Tschechische Republik.

Am 16. Juli 2012 starb der langjährige Keyboarder Jon Lord an den Folgen einer Krebserkrankung. 2013 erschien über die deutsche Plattenfirma earMUSIC das Album Now What?!, das dem verstorbenen Lord gewidmet ist. Hierfür nahm die Band mit Produzent Bob Ezrin in dessen Studio in Nashville neues Material auf. Es war das erste Album seit dem 1987er Studioalbum The House of Blue Light, das die Chartposition 1 erreichte (in Deutschland, Österreich, Tschechien und Norwegen). Im selben Jahr war die Band zu Gast beim Wacken Open Air.

Musikalischer Stil

Die Musik von Deep Purple ist vor allem durch den E-Gitarren-Sound und die Hammond-Orgel geprägt.

Bedingt durch die klassische Ausbildung Jon Lords liegen die musikalischen Wurzeln der Band nicht nur im Blues, sondern auch in der klassischen Musik. Dabei ist zu beachten, dass der Bezug auf klassische Musik in den späteren 1960er und frühen 1970er Jahren durch Bands des Progressive Rock und Symphonic Rock wie Emerson, Lake and Palmer, Ekseption, Yes oder Procol Harum auch eine „Modeerscheinung“ darstellte. Vor allem bei den Aufnahmen und Auftritten der Gründungsformation kam es mehrfach zur Zusammenarbeit mit Orchestern. Zudem ist aus zahlreichen Orgelsoli herauszuhören, dass Lord auch Wert auf klassische Zitate und Kadenzen legt. Ein Beispiel hierfür ist das Orgelsolo aus Highway Star, welches die Akkordfolge Am – E – Gm – D – F in gebrochenen Dreiklängen präsentiert. Der typische Klang der Hammond-Orgel ist einer der wesentlichen Bestandteile der Stücke. Dabei greift Lord, wie in seinem Solo auf No No No auch auf die Blues- und Jazzstilistik von Graham Bond und Hammondpionier Jimmy Smith zurück.

In ihren typischen Hardrock integrierte die Band aber immer wieder Elemente aus Blues (Lazy, Place in Line, Mitzi Dupree, Mistreated), Funk und Soul (Sail Away, Getting Tighter, You Can’t Do It Right), Folk- und Countrymusic (Anyone’s Daughter, The Aviator), Rock ’n’ Roll (Lay Down, Stay Down, Hold On oder Lucille von Little Richard) und psychedelischer Musik (Fools, The Mule) und nahm auch Balladen wie Soldier of Fortune, Love Conquers All, When a Blind Man Cries auf.

 

Der nach eigener Aussage von Hank B. Marvin, Duane Eddy, Django Reinhardt und Scotty Moore beeinflusste Blackmore spielte als Begleitung zum Großteil Powerchords, auf deren Basis er zahlreiche eingängige Riffs, wie etwa das bekannte Intro zu Smoke on the Water, schuf. Seine Soli wurden auf Konzerten stets improvisiert, wobei er häufig auf die pentatonische Tonleiter, aber auch, wie in den Titeln „Lazy“, „Mitzi Dupree“ oder „When a Blind Man Cries“ auf die Bluestonleiter zurückgriff. Jedoch verwendete er bereits damals, lange vor seinem Wechsel zur Mittelalterrockband Blackmore’s Night, Elemente und Anregungen aus der klassischen Musik. Zwei seiner Soli platzierten sich in der Liste der „Top 100 Greatest Guitar Solos“ des Guitar World Magazines. Dass er sich auch in anderen Stilarten wie Country und Rock ’n’ Roll sicher bewegen kann, zeigen Titel wie „Anyone’s Daughter“, „Hold On“ sowie seine Aufnahmen mit dem Country-Gitarristen Albert Lee unter dem Namen „The Green Bullfrog“. Auf einigen Titeln, wie „Mad Dog“, spielt Blackmore auch Slide-Gitarre. Er macht in Nachfolge von Jimi Hendrix und Rory Gallagher intensiven Gebrauch vom Tremolo-Hebel. Während seiner Zeit bei Deep Purple spielte er beinahe ausschließlich Fender Stratocaster in Kombination mit einem Marshallverstärker.

Der technisch versierte, von Buddy Rich, Carmine Appice und dem Hollies-Schlagzeuger Bobby Elliot beeinflusste Paice lässt in seinen geradlinigen und eindeutig am Rock orientierten Stil auch Einflüsse aus dem Swing einfließen. Obwohl er mit Glover den Songs oft eine „trockene“ und auf das Wesentliche reduzierte Rhythmusbasis, wie in „Nobody’s Home“ unterlegt, versteht er es in anderen Titeln, komplexe und schnelle Fills und Breaks (wie z. B. auf „Burn“) oder raffinierte Hi-Hat-Figuren (wie auf „Woman from Tokyo“) einzubauen, wobei sein Spiel aber immer songdienlich bleibt. Auf Titeln wie „Hungry Daze“ oder den Liveversionen von „The Mule“ und „You Fool No One“ präsentiert er längere, technisch fundierte Solopassagen.

Roger Glover, langjähriger Bassist der Band, fällt durch eine eher einfache, aber variantenreiche Rhythmusarbeit („Smoke on the Water“) auf. Obwohl er nach eigenen Angaben keine Tabulaturen lesen kann, improvisiert und variiert er auch bei Auftritten seine Bassläufe. Als musikalische Vorbilder nennt er unter anderem den Jazzmusiker Jaco Pastorius, Jack Bruce und Paul McCartney.[55]Nachdem er jahrelang viele verschiedene Bässe und Verstärker spielte, tritt er seit Anfang der 1990er mit Instrumenten der eher unbekannten Marke Vigier Excess und Saiten von Picato oder Ernie Ball auf.

Gillans Stimme sticht durch ihren großen Tonumfang (inkl. Schreien und Kreischen) bei einigen Songs wie „Child in Time“ deutlich hervor. Auf Titeln wie „Lazy“ und Black and White spielt er zusätzlich Mundharmonika.

Steve Morse prägt die aktuellen Songs wesentlich. Da seine Wurzeln im Jazz/Fusion- und Country-Bereich liegen, haben sich diese Einflüsse auch auf die Musik von Deep Purple übertragen. Neben geradlinigem Hard Rock, dem die Band treu geblieben ist, schafft er durch seine Spielweise kompliziertere, teils auch mit ungeradtaktigen (z. B. „Picture of Innocence“, „Bananas“) oder mit Folk- und Country-Elementen („Hey Cisco“, „The Aviator“, „A Touch Away“) versetzte Arrangements. Er verwendet darüber hinaus bislang bei Deep Purple nicht verwandte Spieltechniken wie das Chicken Pickin („Ted the Mechanic“) oder Harp Harmonics („Sometimes I Feel Like Screaming“, „Seventh Heaven“). (Siehe dazu den Artikel Steve Morse)

Im Gegensatz zu Blackmore, der sich bei der Begleitung häufig auf Powerchords beschränkte, spielt Morse besonders zu den Strophen abwechslungsreichere Figuren. Der spannungsreiche Gegensatz zur Orgel bleibt dabei, z. B. bei Liveversionen von „Speed King“, bestehen. Morse widersteht der Versuchung und anfänglichen Fan-Erwartung des sklavischen Nachspielens „klassischer“ Blackmore-Solos und interpretiert die Soloparts der alten Band-Titel gänzlich neu. Das hindert ihn jedoch nicht daran, auch prägnante Teile, wie etwa das Solo aus „Highway Star“, zu übernehmen.

Texte

Während Rod Evans’ Texte ganz dem psychedelischen Themenkreis mit der Beschwörung vergangener Zeiten („Past castles white and fair past dreaming chessmen on their boards with a fool’s mate as a snare, …“ aus „Listen, Learn, Read on“), der „Schilderung von Natur und Farbe als romantischem Ausdruck des eigenen Seelenlebens“ (April, Blind) und einer „spätjugendlichen Schwermut“ verhaftet sind, behandeln Gillans Texte einen breiteren Themenbereich. Er äußerte sich über das Spektrum der Inhalte folgendermaßen:

„Ich schreibe eigentlich über alles, […] über banale Dinge bis hin zur Politik, von Religion bis Revolution, von Bahnreisen bis hin zu Tauchabenteuern, von etwas, was ich im Fernsehen gesehen habe, bis hin zu Leuten, die ich auf der Straße treffe. Über meine Eindrücke, meine Gefühle.“

In der Hardrock-Musik typische Themen zu Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll und Machismo fehlen bei Deep Purple ebenfalls nicht und tauchen in vielen Songs auf, etwa in Strange Kind of Woman, Highway Star oder Hard Lovin’ Man, oder auch in Lay Down, Stay Down, I Need Love oder High Ball Shooter um das Thema Sex:

„Let me know you feel it. You know I really need it. Keep on pushin’ for more. Lay down, stay down“ (aus „Lay Down, Stay Down“)

Daneben spricht die Band aber auch kritische Themen an: Politische und gesellschaftliche Kritik üben Titel wie Strange Ways und der Antikriegssong Under the Gun:

„Stupid bastards and religious freaks. So safe in their castle keeps. They turn away as a mother weeps. Under the gun.“

No No No ruft zum Kampf gegen Machtmissbrauch und Zerstörung der Erde auf und „Mary Long“ thematisiert die britische Moralistin Mary Whitehouse, während Pictures of Innocence Kritik an political correctness und Normierungswahn übt.

Ein wichtiges Thema ist dabei die Selbstreflexion und das Eingeständnis eigener Unzulänglichkeiten, wie im zweiten Satz des „Concerto for Group and Orchestra“, im Titel „Pictures of Home“ oder auf „Perfect Strangers“:

„What shall I do, when they stand smiling at me. Look at the floor, and be oh so cool, Oh so cool.“ (aus Concerto for Group and Orchestra) „Here in this prison of my own making. Year after day I have grown. Into a hero, but there’s no worship. Where have they hidden my throne?“ (aus Pictures of Home)

Das wird häufig mit einer kritischen Reflexion des Rock-’n’-Roll-Lebensstils und -Business, wie in Super Trouper, No One Came oder Wasted Sunsets verbunden:

„I felt the truth, I felt the pain in every song. […] I’m just a shadow in a rock and roll sky.“ (aus „Super Trouper“)„I believe that I must tell the truth, and say things as they really are. But if I told the truth and nothing but the truth. Could I ever be a star? Nobody knows who’s real and who’s fakin’. Everyone’s shouting out loud. It’s only the glitter and shine that gets thru.“ (aus No One Came)

Bei vielen Texten verwendet Gillan offenbar eine frei assoziative Herangehensweise, welche zu bilderreichen, manchmal scheinbar sinnentleert wirkenden Zeilen führt. Ein Beispiel hierfür ist der Titel Gypsy’s Kiss, bei welchem Sprachklang und Reim das Primäre zu sein scheinen:

„John San, what you can. La la Janette dance in sand. What’s the mystery, my son? Gypsy Dan, Caravan. Won Tun Wan with your Chinese fan. It’s part of history my son.“ (aus Gypsy’s Kiss)

„Gotta black breast Chinese eyes. Got an English brain that’s gonna make me wise. Got a long story that I wanna tell.“ (aus Bloodsucker)

Die Texte der Coverdale-Ära kreisen, wie in „Burn“ oder „Stormbringer“ (Titel eines Romans des Fantasy-Autors Michael Moorcock), um die später im Metal beliebte Fantasy-beeinflusste Thematik:

„Thunder and lightning. Heading your way. Ride the rainbow. Crack the sky. Stormbringer coming. Time to die“ (aus Stormbringer), leicht variierte Wiederholung und die Stilfiguren der Anapher und Epihora werden, wie im Titel Bloodsucker, ausgiebig und effektvoll eingesetzt.

Bedeutung für die Rockmusik

Deep Purple prägte entscheidend das Musik- und Lebensgefühl der frühen 1970er Jahre. So schrieb die Zeitschrift konkret im Jahr 1980:

„Die Beatles, Stones, Cream, Deep Purple, Roxy Music haben ganz selbstverständlich die deutschen Wohnzimmer infiltriert.“

und die Musikzeitschrift Eclipsed schrieb in Bezug auf die Einleitung des Titels Speed King:

„Blackmore zersplitterte in nur fünfzig Sekunden die gängigen Konventionen der Beat-Ära, und machte die sechziger Jahre der Popmusik zur Historie.“

Die Band zählt neben Black Sabbath und Led Zeppelin zu den ersten und bedeutendsten Bands des Hard Rock und gilt als richtungsweisend für die spätere Entwicklung des Metal.

„Pursuing a heavier rock direction, Purple quickly became one of the most successful and influential bands of early ’70s; joined Black Sabbath and Led Zeppelin in spreading gospel of multi-decibel, piledriver British rock around the world.“

Diese Tatsache macht eine Übersicht über die personellen Beziehungen der Deep-Purple-Musiker und ihrer Nachfolgebands mit anderen namhaften Rock-Bands besonders deutlich.

In den 1970er Jahren wurde noch nicht zwischen Hard Rock und dem erst Ende des Jahrzehnts aufkommenden Heavy Metal unterschieden, so dass die Band manchmal auch fälschlicherweise dem Heavy Metal zugeordnet wird. Aus heutiger Sicht kann sie aber klar als Hard-Rock-Band oder Rockband mit Blueseinflüssen kategorisiert werden.

Highway Star, Fireball, Speed King, Hard Lovin’ Man, der schnellere Mittelteil aus Child in Time sowie Burn werden als frühe Speed-Metal-Songs eingestuft. Den Song Bloodsucker zum Beispiel kann man aus heutiger Sicht dem Heavy Metal zuordnen.

Viele stilbildende und erfolgreiche Bands und Musiker der 1980er und 1990er Jahre aujs dem Bereich des Rock, Metal und New Wave of British Heavy Metal wie Queen, Iron Maiden, Aerosmith, Van Halen, Judas Priest, Europe, Yngwie Malmsteen, Ronnie James Dio, Metallica, Def Leppard. Alice in Chains, Pantera, Bon Jovi, Rush und Motörhead, bekunden den wesentlichen Einfluss der Musik der Band für ihre eigene musikalische Entwicklung entweder explizit in Interviews oder indirekt in ihrer Musik. Besonders der Stil Blackmores beeinflusste viele Gitarristen, wie Yngwie Malmsteen, Steve Vai, John Norum oder Joe Satriani, so dass seine Ästhetik und auch Technik von vielen Musikern aufgegriffen wurde und wird.

 

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Led Zeppelin

Led Zeppelin [ˌlɛdˈzɛplɪn] war eine englische Rockband. 1968 gegründet, gehört sie mit 300 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Bands überhaupt. Der Tod des Schlagzeugers John Bonham im September 1980 markiert das Ende der Band, die mit Sänger Robert Plant, Gitarrist Jimmy Page und Bassist John Paul Jones durchgehend in gleicher Besetzung aktiv war. Musikalisch gehört Led Zeppelin zu den Pionieren des Hard Rock.

Geschichte

Vorgeschichte und Gründung

Die Anfänge können auf die britische Band The Yardbirds zurückgeführt werden. Jimmy Page spielte dort von 1966 an zunächst Bass, später E-Gitarre. Nachdem Jeff Beck und später auch Keith Relf und Jim McCarty die Gruppe verlassen hatten, bauten Page und der verbliebene Bassist Chris Dreja eine neue Band auf.

Ursprünglich plante Page, Procol Harums Schlagzeuger B.J. Wilson und Terry Reid zu verpflichten, jedoch erteilten ihm beide eine Absage. Letzterer empfahl Robert Plant, der zuvor Sänger der Band Hobbstweedle gewesen war. Dieser schlug John Bonham als Schlagzeuger vor, der bereits mit ihm in der Band of Joy gespielt hatte. Als dann auch Dreja die Band verließ, verpflichtete man John Paul Jones, der schon auf einer Session die Bereitschaft zu einem Projekt mit Page gezeigt hatte.

Somit war die neue Besetzung komplett. Obwohl Page das einzige ehemalige Yardbirds-Mitglied war, trat die Band im September 1968 zunächst noch unter dem Namen The New Yardbirds auf, da noch bestehende Yardbirds-Verträge erfüllt werden mussten, und änderte erst später nach einer Minitournee in Skandinavien den Namen.

Großer Einfluss auf die Namensgebung wird Keith Moon, dem Schlagzeuger von The Who, zugesprochen. Dieser soll 1966 bei den Aufnahmen zur Jeff-Beck-B-Seite Beck’s Bolero (bei der Page und John Paul Jones mitwirkten) gesagt haben, eine Band um Page würde „abstürzen wie ein bleiernes Luftschiff“ („The band will go over like a lead zeppelin“). Diese Bezeichnung sei im Oktober 1968 schließlich von der Band übernommen worden. Da im Englischen das Wort lead sowohl das Verb to lead [liːd] („führen“) als auch das Substantiv lead [lɛd] („Blei“) bezeichnet, strich man auf Vorschlag des Produzenten Peter Grant zur Verdeutlichung der korrekten Aussprache das „a“, um zu verhindern, dass „thick Americans“ es als „leed“ [liːd] aussprechen.

Erstes Album: Led Zeppelin

Während der ersten US-Tournee in den Wintermonaten 1968/69 agierte Led Zeppelin zunächst noch als Vorgruppe für Vanilla Fudge, Iron Butterfly, Alice Cooper und Country Joe and the Fish.

Etwa zur gleichen Zeit schloss die Band einen Vertrag mit Atlantic Records ab und nahm ihr Debütalbum in nur 30 Stunden im Studio auf. Am 12. Januar 1969 wurde das Album Led Zeppelin schließlich veröffentlicht. Bereits auf dem Debütalbum wurden verschiedene musikalische Genres vereint. Auf dem Album sind Einflüsse aus dem Blues deutlich zu hören. In Good Times Bad Times und Communication Breakdown ist jedoch auch ein deutlich härterer Sound zu hören. Bei den Stücken Black Mountain Side und Babe I’m Gonna Leave You sind hingegen Elemente des Folk unverkennbar. Die Kritiken waren zunächst gemischt, erst im Rückblick erhielt das Album von der Musikpresse überwiegend positive Besprechungen. Heute wird es als „Wendepunkt in der Entwicklung des Hard Rock und Heavy Metal“ bezeichnet. Das Album konnte sich auf Platz sechs der britischen Charts platzieren und leitete den Beginn der Karriere von Led Zeppelin ein. Die Aufnahmekosten betrugen nur 1.800 Pfund, das Album spielte jedoch etwa 3,5 Millionen Pfund ein.

Im April 1969 machte man sich erneut nach Nordamerika auf. Das Debütalbum war bei amerikanischen Radiostationen inzwischen sehr beliebt, was einen beträchtlichen Popularitätszuwachs und steigende Verkaufszahlen zur Folge hatte, so dass das Album Position 10 der Billboard-Charts erreichen konnte.

Als bedeutsamer Faktor für die Entwicklung des Banderfolgs gilt der Manager Peter Grant. Er hatte bereits die Yardbirds seit 1966 betreut und handelte auch für Led Zeppelin Verträge aus, die zum kommerziellen Erfolg beitrugen. Er verfolgte zudem die Strategie, sich früh auf die US-amerikanischen Bühnen zu konzentrieren. Hier konnte von Beginn an auf der Popularität Pages aufgebaut werden, der dem Publikum noch durch sein Yardbirds-Engagement in Erinnerung geblieben war.

In Europa dagegen ließ der Durchbruch etwas länger auf sich warten. Während sich in England der Erfolg einstellte, nachdem man durch fünf Liveauftritte bei den Radiosendern der BBC im März und Juni 1969 auf sich aufmerksam machen konnte, waren die Reaktionen auf dem europäischen Festland zunächst sehr zurückhaltend. Exemplarisch dafür ist der Auftritt Led Zeppelins bei der ARD-Sendung Beat-Club: Ende März 1969 spielte man in den Studios von Radio Bremen unter anderem die Songs Babe I’m Gonna Leave You und You Shook Me ein. Die Beat-Club-Produzenten waren von den Darbietungen der Band allerdings wenig beeindruckt, sodass das aufgezeichnete Material zunächst nicht ausgestrahlt wurde. Erst als im Frühjahr 1970 der Song Whole Lotta Love in Deutschland populär wurde, griff man für die Produktion eines Videoclips auf das aufgezeichnete Filmmaterial zurück. Der Clip wurde am 28. März 1970 innerhalb des Beat-Club 53 ausgestrahlt und war mit der Studioversion von Whole Lotta Love unterlegt. Die Audiospuren der Originalaufzeichnung wurden nicht verwendet.

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem Beat-Club und zwei vorausgegangenen, aus Sicht der Band misslungenen Fernsehauftritten in Dänemark und Frankreich im März 1969 beschlossen Band und Management, sich zukünftig von dem Medium Fernsehen fernzuhalten. Nach Aussagen von Jimmy Page] sei man nach den negativen TV-Erfahrungen zu der Meinung gelangt, dass man nicht in das „Pop-Format“ der Sender gepasst habe und diese es nicht verstanden hätten, eine neuartige Band wie Led Zeppelin angemessen zu präsentieren. Als Resultat konzentrierte sich die Band nahezu ausschließlich auf Alben und Liveauftritte.

Der Weg zum Erfolg

Das zweite Album, schlicht Led Zeppelin II benannt, folgte dem gleichen Stil wie das Debüt. Es beinhaltet unter anderem Heartbreaker und Whole Lotta Love, die von einprägsamen Gitarrenriffs gekennzeichnet sind. Für das Cover wurde ein altes Gruppenbild mit dem Roten Baron verwendet. Das Album erreichte Position eins der US-Charts, wo es das Beatles-Album Abbey Road verdrängte. Der Rolling Stone beschrieb Page aufgrund seiner musikalischen Leistung als „absolute number-one heaviest white blues guitarist“.

Im Rahmen einer Europatournee gab die Band im Frühjahr 1970 die ersten vier Konzerte in Deutschland, angefangen mit einem Auftritt im Münchner Circus-Krone-Bau am 8. März. Die Tournee wurde, wie auch alle späteren Auftritte in Deutschland, von der Konzertagentur Lippmann & Rau veranstaltet.

Die Stücke für das dritte Album Led Zeppelin III schrieben Page und Plant im Bron-Yr-Aur, einem abgelegenen Landhaus ohne Stromversorgung in Wales. Daraus resultierte ein eher akustischer Sound, der stark durch keltische Musik und Folkmusik beeinflusst war und eine neue Seite von Jimmy Pages musikalischer Vielseitigkeit enthüllte, wie beispielsweise in Gallows Pole und Tangerine zu hören ist. Eröffnungsstück ist der legendäre Immigrant Song, zu dem Robert Plant auf der Island-Tour im Sommer 1970 inspiriert wurde. Nach dem Aufenthaltsort wurden auch die Lieder Bron-Yr-Aur (später auf Physical Graffiti erschienen) und Bron-Yr-Aur Stomp (auf dem Cover von Led Zeppelin III fälschlicherweise Bron-Y-Aur Stomp betitelt) benannt. Led Zeppelin III schließt mit Hats Off to (Roy) Harper, einer Hommage an den britischen Singer-Songwriter Roy Harper.

Weltruhm

Nach erfolgreichen Tourneen durch Nordamerika und Japan im Sommer 1971 erschien im November das nur mit vier kryptischen Symbolen ( ) betitelte vierte Album der Band. Bekannt wurde dieser Tonträger unter den Bezeichnungen Led Zeppelin IV oder Four Symbols. Mit dem Eröffnungsstück Black Dog schuf die Band einen Hardrocksong, der sowohl Plants Gesang als auch die musikalischen Fähigkeiten von Gitarrist Page und Drummer Bonham hervorhebt. Rock And Roll zeugt von den stilistischen Ursprüngen des Hard Rock im Rock ’n’ Roll der 1950er und 1960er-Jahre. Entgegen der oft wiedergekäuten Angabe, der drum-groove eingangs basiere auf „Good Golly Miss Molly“ ist es Little Richards „Keep-A-Knockin'“, welches als Vorlage diente. Das Paradestück der Platte ist die Rockballade Stairway to Heaven, die wohl das bekannteste Lied der Band ist. Bekannte Stücke sind der Folkrocksong Going To California und die Ballade The Battle of Evermore, die ein Gesangsduett von Robert Plant und Sandy Denny (Fairport Convention) beinhaltet. Die Platte wurde überwiegend im Headley Grange, einem abgelegenen Landhaus in Hampshire aufgenommen. Das Album erhielt nicht nur gute Kritiken, sondern verkaufte sich auch äußerst gut. Alleine in den USA wurden bis heute 23 Millionen Exemplare verkauft. Damit zählt es dort zu den vier am häufigsten verkauften Alben.

Im Jahr 1972 folgten drei kurze Tourneen, die die Band neben Australien und Neuseeland abermals in den USA und Japan auftreten ließen. Auf dieser und einer späteren Tour durch die USA reisten die Musiker in einem eigenen Flugzeug, einer Boeing 720. Nach zwei Auftritten im schweizerischen Montreux begann im November eine viermonatige Tournee durch Großbritannien.

Nach einer Europatour im März 1973 folgten mit Houses of the Holy das fünfte Album und eine erfolgreiche US-Tournee. Bei den drei letzten Konzerten der Tour im New Yorker Madison Square Garden entstand ein Großteil der Film- und Tonaufnahmen für den 1976 erschienenen Konzertfilm The Song Remains the Same und den gleichnamigen Soundtrack. Die Arbeit an dem Konzertfilm wurde im Herbst fortgesetzt.

1974 gründete Led Zeppelin das eigene, aber Atlantic Records untergeordnete Label Swan Song Records. Außer der Band unterschrieben auch unter anderem Bad Company, The Pretty Things und Maggie Bell bei dem Label. Für die Gestaltung des Logos wurde das Bild Evening, Fall of Day (1869) von William Rimmer verwendet, das Apollo darstellt. Dieses Logo wurde auf vielen Fanartikeln abgedruckt.

Ihr erstes Doppelalbum Physical Graffiti nahmen die vier Musiker im Jahre 1974 auf. Das Album erschien im Frühjahr 1975 und enthält neben neuen auch schon früher geschriebene Stücke, die aus den Sessions für die letzten drei Alben übrig geblieben waren. Einer der bekanntesten und beim Live-Publikum beliebtesten Songs des Albums ist Kashmir, ein Stück, in dem die Musiker orientalische Einflüsse verarbeiteten. Nach eigenen Angaben ist der fünfte Titel Trampled Under Foot Robert Plants Lieblingslied von Led Zeppelin.

Weitere Tourneen

 

Zu Beginn des Jahres 1975 unternahm man zunächst eine weitere US-Tournee. Nach zwei Jahren Bühnenabstinenz in Großbritannien gab die Band außerdem fünf Konzerte vor insgesamt 85.000 Zuschauern im Londoner Earls Court Exhibition Centre, von dem Mitschnitte später auf einer DVD veröffentlicht wurden.

Im August des Jahres, kurz vor dem Beginn einer geplanten Stadiontournee durch die USA, wurden Robert Plant und seine Frau in einen Autounfall auf Rhodos verwickelt, bei dem Plant sich seinen Knöchel brach. Da es somit unmöglich war, die Tour anzutreten, beschloss die Band, mit der Arbeit an einem neuen Album zu beginnen. Bei den Aufnahmen zu ihrem siebten Studioalbum Presence in den Münchener Musicland Studios saß Robert Plant notgedrungen im Rollstuhl bzw. einem Sessel.

Im Spätherbst 1976 wurden schließlich der Konzertfilm The Song Remains the Same und der begleitende Soundtrack veröffentlicht. Obwohl die Konzertaufnahmen von 1973 stammten, blieb der Film für mehr als 20 Jahre das einzige Dokument der Liveauftritte von Led Zeppelin. Die Livemitschnitte sind durchsetzt von psychedelischen Spielfilmsequenzen und Szenen aus dem Backstagebereich.

1977 folgte eine weitere umfangreiche US-Tour, die ebenfalls innerhalb weniger Tage nach ihrer Ankündigung ausverkauft war. Auf dieser Tour spielte die Band vor jeweils circa 20.000 Zuschauern sechs ausverkaufte Konzerte nacheinander im New Yorker Madison Square Garden. Kurz vor Ende der Tour – die Band hatte noch sieben restlos ausverkaufte Konzerte vor sich – erreichte Robert Plant die Nachricht, dass sein fünfjähriger Sohn Karac am 26. Juli an einer Virusinfektion verstorben war. Die Tournee wurde daraufhin abgebrochen.

Nach diesem Vorfall im Sommer 1977 kam die Band erst im Mai 1978 wieder zu Probeaufnahmen in Wales zusammen, wo mit der Arbeit an einem neuen Album begonnen wurde. Aufgenommen wurde In Through the Out Door, das achte Werk der Band, im November in den Stockholmer Polar Studios. Erscheinungstermin war im August 1979, nach zwei Auftritten vor jeweils über 100.000 Zuschauern beim Knebworth-Festival in Stevenage.

Bereits während des Festivals kam es zu Spannungen zwischen Peter Grant und Festivalpromoter Freddy Bannister bezüglich der tatsächlichen Höhe der Zuschauerzahlen, die nach den vertraglichen Vereinbarungen ein Faktor bei der Berechnung der fälligen Lizenzgebühren waren. Die Lizenz galt für jeweils 100.000 Zuschauer. Aufgrund stark konträrer Angaben von Bannister und den örtlichen Behörden in Stevenage nach dem ersten Festivaltag stellte Grant vor dem zweiten Konzert eigenes Personal an den Einlässen ab, um die tatsächliche Besucherzahl zu ermitteln. Nach dem Festival beauftragte Grant zusätzlich ein unabhängiges Institut in Nassau, die Zuschauerzahlen anhand von Luftaufnahmen festzustellen. So standen schließlich den Angaben von Bannister (104.000 Zuschauer am 4. August und 40.000 am 11. August) Grants Zahlen gegenüber (218.000 am 4. August und 187.000 am 11. August). Der Disput endete mit dem Rückzug Freddy Bannisters aus dem Promotiongeschäft und dem Konkurs seiner Firma Tedoar Ltd.

Tod John Bonhams und Auflösung

1980 unternahm Led Zeppelin eine Europatournee, die durch 14 Städte im deutschsprachigen Raum sowie in Belgien und den Niederlanden führte, darunter Dortmund, Köln, Brüssel, Rotterdam, Bremen und Hannover. Während des Auftritts am 26. Juni 1980 in der Wiener Stadthalle wurde Jimmy Page von einem Feuerwerkskörper getroffen. Die Band verließ daraufhin die Bühne und kehrte erst zurück, nachdem der Täter, ein Student, ermittelt worden war. Das Konzert in der Nürnberger Messehalle A am 27. Juni 1980 musste ebenfalls vorzeitig nach nur drei Songs abgebrochen werden, da Schlagzeuger John Bonham während des Spielens zusammenbrach. Es folgten noch sechs weitere Konzerte in Zürich, Frankfurt, zweimal in Mannheim, München und Berlin. Am 7. Juli gab man in der Berliner Eissporthalle ein Konzert, das zum letzten Led-Zeppelin-Konzert für 27 Jahre wurde.

Am 25. September wurde John Bonham tot in seinem Bett in Jimmy Pages Haus in Windsor aufgefunden. Er erstickte im Schlaf an seinem Erbrochenen, was gemeinhin als Folge übermäßigen Alkoholkonsums bewertet wurde.] Die übrigen Bandmitglieder beschlossen daraufhin, Led Zeppelin aufzulösen. In einer Presseerklärung machten sie am 4. Dezember 1980 deutlich, dass es ihnen nicht möglich sei, ohne John Bonham zu spielen.

Projekte 1980–1990

Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen gegenüber Atlantic Records musste das bandeigene Label Swan Song Records noch ein Studioalbum vorlegen. Jimmy Page stellte daraufhin aus bisher nicht veröffentlichten Live- und Studio-Einspielungen aus der Zeit von 1969 bis 1978 das letzte Led-Zeppelin-Album Coda zusammen. Es erschien im November 1982.

1981 ergab sich eine kurzfristige Zusammenarbeit Pages und Plants mit Chris Squire und Alan White von Yes unter dem Namen XYZ (Ex Yes Zeppelin), aus der sich aber kein langfristiges Engagement entwickelte. Einige der Songideen erschienen später als Bootleg und auf Alben von The Firm und Yes.

Im Jahr 1984 erschien mit The Honeydrippers, Vol. 1 das einzige Album der gleichnamigen Band, die 1981 als Projekt von Robert Plant gegründet worden war. Sein Ziel dabei war es, zu seinen musikalischen Wurzeln aus der Zeit vor Led Zeppelin zurückzukehren: Blues, Rock ’n’ Roll und R&B. Zu den Mitgliedern gehörten neben Jimmy Page auch Jeff Beck, Nile Rodgers (Chic), Robbie Blunt, Andy Sylvester (Savoy Brown) und andere.

1985 traten die verbliebenen Led-Zeppelin-Bandmitglieder als „Plant, Page and Jones“ mit Phil Collins am Schlagzeug bei Live Aid auf. Der Auftritt wurde ein Desaster. John Paul Jones kam erst so spät an, dass die Band nur eine Stunde Zeit hatte zu proben. Zudem hatte Robert Plant stimmliche Probleme aufgrund von Überbelastung. Die Band war mit der Qualität ihres Auftritts dermaßen unzufrieden, dass sie ihr Einverständnis verweigerten, das entsprechende Filmmaterial zum Bestandteil des 2004 erschienenen, offiziellen 4-DVD-Sets Live Aid freizugeben. Stattdessen spendete man aus eigener Tasche für die Sudan-Hilfe. Phil Collins bezeichnete den Auftritt im November 2014 als „Fehler“. Im Mai 1988 traten sie dann mit John Bonhams Sohn Jason Bonham beim 40-jährigen Jubiläum ihrer vormaligen Plattenfirma Atlantic Records auf.

Die 1990er Jahre

Anfang der 1990er Jahre begab sich Jimmy Page erneut ins Studio und mischte nach und nach sämtliche alten Platten neu digital ab.

Im Sommer 1994 kamen Page und Plant für einen Fernsehauftritt im Rahmen der Reihe MTV Unplugged in London zusammen. Hierbei wurden alte Led-Zeppelin-Stücke mit arabischen Musikern und dem London Metropolitan Orchestra neu arrangiert eingespielt. Die allgemeine Resonanz auf die Ausstrahlung der entsprechenden MTV-Sendung, betitelt No Quarter – Unledded, war derart positiv, dass man von den MTV-Aufnahmen eine offizielle CD (Jimmy Page & Robert Plant – No Quarter) herausgab. 2004 folgte dazu die DVD Jimmy Page & Robert Plant – No Quarter Unledded.

Es entwickelte sich eine weiterführende Zusammenarbeit der beiden Ex-Led-Zeppelin-Bandmitglieder, in deren Rahmen es 1995/1996 zu einer erfolgreichen einjährigen Welttournee mit 115 Konzerten kam, u. a. auch im Münchener Olympiastadion und am 26. Juli 1995 in der Londoner Wembley-Arena, wo sich der ehemalige Manager der Band, Peter Grant, im Publikum befand. Im folgenden November verstarb Peter Grant.

Bei ihrer Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, ebenfalls 1995, spielte erneut Jason Bonham Schlagzeug.

1997 nahm man zusammen das Studioalbum Walking Into Clarksdale (Page & Plant) auf, das jedoch nicht zu einem Verkaufserfolg wurde. Außerdem wurde das Album BBC Sessions veröffentlicht, das 1969 in den BBC-Studios entstandene Aufnahmen und den Mitschnitt eines Konzertes im Londoner Paris Theatre vom 1. April 1971 enthält, bei dem auch die allererste auf Tonband aufgezeichnete Live-Performance von Stairway To Heaven zu hören ist.

Nach einer weiteren Welttournee 1998 mit 89 Konzerten beendete man die Zusammenarbeit aufgrund des Wunsches von Robert Plant nach musikalischer Neuorientierung. 1998 wurde das Lied Kashmir unter Mithilfe von Jimmy Page von Puff Daddy für den Film Godzilla unter dem Titel Come With Me neu aufgelegt.

1999 und 2000 spielte Page gemeinsam mit der amerikanischen (Blues-)Rockband The Black Crowes mehrere Konzerte, deren Setlists überwiegend aus Led-Zeppelin-Stücken bestanden. Die im Jahr 2000 veröffentlichte Doppel-CD Live at the Greek dokumentiert diese Zusammenarbeit.

Nach 2000

2001 standen Page und Plant nochmals gemeinsam auf der Bühne beim Montreux Jazz Festival. Im Jahre 2003 wurde schließlich mit der Dreifach-CD How the West Was Won, eine Dokumentation der Live-Auftritte der Band, veröffentlicht. Enthalten sind Konzertmitschnitte im LA Forum vom 25. Juni 1972 und in der Long Beach Arena zwei Tage später.

Im selben Jahr erschien mit der Led Zeppelin DVD eine Retrospektive auf zwei DVDs mit 5½ Stunden Material, die Konzertmitschnitte von Auftritten in der Royal Albert Hall (1970), im Madison Square Garden (1973), in Earls Court (1975) und in Knebworth (1979) enthält. Zudem werden Interviews mit den Musikern gezeigt.

Konzert 2007

2007 wurden Gerüchte von Plänen bekannt, dass Led Zeppelin eine Reunion-Tour in alter Besetzung spielen könnte. Bei einer Pressekonferenz am 12. September 2007 wurde ein einmaliges Konzert in London angekündigt. Für das Live-Comeback der Band am 10. Dezember 2007 in der O₂-Arena in London zu Ehren des 2006 verstorbenen Gründers der Plattenfirma Atlantic Records und Mit-Entdeckers von Led Zeppelin, Ahmet Ertegün, hatten sich nach Angaben des Veranstalters mehr als 20 Millionen Menschen für Eintrittskarten registrieren lassen. Die Karten-Zuteilung wurde per Los entschieden. Insgesamt wurden etwa 20.000 Eintrittskarten ausgegeben, die pro Stück 125 £ (ca. 183 €) kosteten. Neben Plant, Page und Jones war John Bonhams Sohn Jason Bonham als Schlagzeuger auf der Bühne. Bei dem Benefiz-Konzert für Ertegüns Stiftung spielten außer Led Zeppelin, die zum ersten Mal seit 1980 wieder unter diesem Namen eine Bühne betraten, weitere Musiker wie z. B. Paolo Nutini, Paul Rodgers, Foreigner und Bill Wyman.

Bei einem Pressetermin in Tokio zur Präsentation des Albums Mothership ließ Jimmy Page im Januar 2008 verlauten, dass er bereit sei, mit Led Zeppelin auf Welttournee zu gehen.[25] Kein Interesse an einer Reunion hatte jedoch Robert Plant. Da die Band keinen neuen passenden Sänger fand, wird es aber nach Aussage des Bandmanagers keinen Zusammenschluss mehr geben. Kandidaten hierfür waren Steven Tyler, Chris Cornell und Myles Kennedy.

Das 2007 aufgezeichnete Konzert wurde am 17. Oktober 2012 in sechzehn deutschen Kinos der Cinemaxx-Kette unter dem Titel Led Zeppelin: Celebration Day vorgeführt und einen Monat später als Video und als Album veröffentlicht. Bei den Grammy Awards 2014 wurde es als bestes Rockalbum des Jahres ausgezeichnet.

Stil und Wirkung

Musikalische Elemente

Neben Rock ’n’ Roll, Blues und Folkmusik, die den Stil vieler Rockbands prägten, verwendete Led Zeppelin auch Elemente vieler anderer Genres. Der atonale Zwischenteil aus Whole Lotta Love steht beispielhaft für psychedelische Elemente.

Jimmy Page und Robert Plant wurden musikalisch vom Blues beeinflusst. Dieser Einfluss zeigt sich beispielsweise beim Led-Zeppelin-Hit Whole Lotta Love (angelehnt an das Stück You Need Love von Willie Dixon) und The Lemon Song (angelehnt an das Lied Killing Floor von Howlin’ Wolf). Die Band war auch vom amerikanischen Rock ’n’ Roll angetan und spielte Songs von Elvis Presley (A Mess of Blues) und Eddie Cochran (Something Else, C’mon Everybody). Weitere Beispiele für Stücke anderer Künstler, die Led Zeppelin neu interpretierte, sind Babe I’m Gonna Leave You von Joan Baez, Black Mountain Side (Bert Jansch, im Original Blackwaterside), Dazed and Confused (Jake Holmes) und I Can’t Quit You Baby (Otis Rush.

Besonders markant ist Jimmy Pages Gitarrenspiel. Statt der in der Rockmusik klassischen E-Gitarre verwendete er bei vielen Songs eine Akustikgitarre. Dabei gebrauchte er häufig die DADGAD-Stimmung, die fast nur in der Folkmusik verwendet wird. Auch sonst war sein Stil häufig experimentell: In The Battle of Evermore spielt er Mandoline, in Whole Lotta Love Theremin. Bekannt ist auch sein Einsatz von Doppelhalsgitarren, gewöhnlich einer Gibson EDS-1275.

Die meisten Texte wurden von Plant geschrieben. Häufig enthalten sie mystische Elemente, wie etwa in Stairway to Heaven. Der Song Ramble On nimmt inhaltlichen Bezug auf J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe:

“T’was in the darkest depth of Mordor
I met a girl so fair,
But Gollum, and the evil one crept up
And slipped away with her.”

– Text von Ramble On

Die Bühnenshows von Led Zeppelin konnten über drei Stunden dauern; ausufernde und improvisierte Live-Versionen ihres Song-Repertoires präsentierten oft auch Bearbeitungen von John Lee Hooker, James Brown, Stax und Motown-beeinflusster Funk- und Soulmusik.

Beginn von Stairway to Heaven

Markantestes Stück des vierten Albums und wohl bekanntestes Lied von Led Zeppelin ist die über acht Minuten lange Rock-Ballade Stairway to Heaven. Es wurde oft unterstellt, Jimmy Page habe in dieses Lied eine satanistische Botschaft eingebaut oder einbauen lassen, die zu hören sei, wenn man den Refrain rückwärts ablaufen ließe – es kursieren mehrere Versionen des Wortlauts dieser vermeintlichen Botschaft. Mit derartigen Pressekampagnen musste sich die Band während ihrer gesamten Geschichte auseinandersetzen, bedingt vor allem durch das bekannte Interesse Jimmy Pages am Okkultismus.

Rezeption und Bedeutung

Bei der Musikpresse stieß der unkonventionelle Stil der Band im Allgemeinen auf Ablehnung. Die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieb das Konzert in Frankfurt am 18. Juli 1970 als „langweiliges Gestammel aus undifferenzierten Effekten“:

Die Lieder wurden vielfach von Musikern unterschiedlicher Genres gecovert. Auch zahlreiche bedeutende Künstler spielten Led-Zeppelin-Songs live oder nahmen sie im Studio auf, unter anderem Musiker wie Frank Zappa und Joe Bonamassa, die Progressive-Rock-Bands Dream Theater und Tool sowie weitere renommierte Bands wie Iron Maiden, Van Halen, Zakk Wylde, Pearl Jam und die deutschen Bands Grave Digger und Puhdys.

Da Robert Plant den Gesangs- und Kleidungsstil eines stereotypischen Hard-Rock-Sängers begründete, Jimmy Pages Gitarrensoli sehr beliebt waren und häufig gecovert wurden und John Bonham erheblichen Einfluss auf Stil und Technik vieler Schlagzeuger nach ihm bewirkt hatte, können Led Zeppelin bis heute als prototypische Hard-Rock-Band gesehen werden. Die Bedeutung der Band lässt sich noch heute an den Verkaufszahlen festmachen: Seit 1990, mehr als zehn Jahre nach der Auflösung, wurden mehr als zwanzig Millionen Alben verkauft. 38 % der Käufe in den Jahren 2002–2006 wurden dabei von Fans unter 25 Jahren getätigt, was darauf hinweist, dass auch jüngere Menschen noch die Musik Led Zeppelins hören.

Auszeichnungen

Led Zeppelin wurden am 12. Januar 1995 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Am 12. Februar 2005 erhielten Led Zeppelin den Grammy Award für ihr Lebenswerk.

Am 22. Mai 2006 wurde Led Zeppelin als „große Pioniere der Rockmusik“ mit dem „Polar Music Prize“ ausgezeichnet. Der „Polar Music Prize“ des schwedischen Stifters Stikkan Anderson gilt als inoffizieller Nobelpreis für Musik. Die drei noch lebenden Band-Mitglieder erschienen bei der Verleihung in Stockholm.

Der Fernsehsender VH1 listete Led Zeppelin an erster Stelle der 100 greatest artists of hard rock.

Das Musikmagazin Guitar World listete das Lied Stairway to Heaven 2007 auf Platz 1 der „Best Guitar Solos“.

Kennedy Center Honors 2012 mit jeweils der Auszeichnung für John Paul Jones, Robert Plant und Jimmy Page

Led Zeppelin erhielten bei der Echoverleihung 2013 den Ehrenpreis „Lifetime Achievement Award International for Outstanding Contribution to Music“ für ihr Lebenswerk.

Am 3. Februar 2015 wurde ein Asteroid nach Led Zeppelin benannt: (4749) Ledzeppelin.

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The Doors

Bandgeschichte

Gründungsphase

Die Band The Doors wurde im Sommer 1965 von Jim Morrison und Ray Manzarek am Strand von Venice Beach (Kalifornien) gegründet. Der Bandname entstand in Anlehnung an den Essay von Aldous Huxley The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung). Aldous Huxley entnahm den Titel seines Essays einem Zitat von William Blakes The Marriage of Heaven and Hell:

„If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite.“

(„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“)

Nachdem Morrison Manzarek einige seiner Kompositionen vorgetragen hatte (unter anderem Moonlight Drive), war dieser von Morrisons poetischem Potential so beeindruckt, dass er ihm die Gründung einer Band vorschlug. Manzarek hatte bereits mit seinen Brüdern Rick and the Ravens gegründet. Diese verließen jedoch die neue Band, nachdem Morrison dieser beigetreten war.

Morrison und Manzarek machten sich auf die Suche nach passenden Musikern. Bei einem Meditations-Kurs trafen sie zufällig Robby Krieger und John Densmore, die Gitarre und Schlagzeug spielten. Manzarek kompensierte das Fehlen eines Bassisten dadurch, dass er mit der einen Hand die rhythmische Begleitung auf einer Vox-Continental-Orgel und mit der anderen die Bassbegleitung auf einem Fender Rhodes Piano Bass spielte. Krieger wiederum konnte Morrison insbesondere durch die klanglichen Möglichkeiten seines Bottleneck-Spiels beeindrucken.

Erfolg

Nach einigen Auftritten, unter anderem mit Sonny and Cher bei einem Highschool-Abschlussball, oder auf Partys und Tanzveranstaltungen unterschrieben die Doors einen Vertrag bei Columbia, die damals auch Künstler wie Bob Dylan unter Vertrag hatten. Allerdings erschien dort keine Platte, kurz darauf wurde deshalb der Vertrag „in beiderseitigem Einvernehmen“ wieder aufgelöst. Manzarek brachte der Vertrag den Besitz einer neuen Vox-Continental-Orgel.

Die Doors spielten einige Zeit für wenig Geld im Club London Fog und entwickelten dort ihren individuellen Musikstil, während Jim Morrison dort seine Bühnenpräsenz entwickelte. Morrison soll zuerst sehr schüchtern gewesen sein und lange Zeit dem Publikum den Rücken zugewandt haben.

Nach den Auftritten im London Fog wechselten sie ins prestigeträchtige Whisky A Go-Go, in dem schon bekannte Bands aus Los Angeles wie Love gespielt hatten. Nach einigen Monaten mit regelmäßigen Auftritten als Hausband und ständige Vorgruppe der Top-Acts fügte Morrison eines Abends dem bis dato eher harmlosen Lied The End die ödipalen Zeilen „Father, I want to kill you, Mother I want to fuck you“ an, die später zu seiner Berühmtheit erheblich beitragen sollten. Der Besitzer des Clubs untersagte daraufhin weitere Auftritte der Band. Auf vielen Aufnahmen bzw. bei vielen Radiosendern wurde die anstößige Zeile unkenntlich gemacht oder das ganze Stück auf den Index gesetzt. Kurz darauf nahm Elektra Records die Doors unter Vertrag.

Trotz mehrerer Drogenerfahrungen, besonders in der Anfangszeit der Doors, bewahrte Manzarek anders als Morrison eine gewisse Distanz zu den zu dieser Zeit teilweise üblichen Exzessen. Robby Krieger hatte nichts dagegen, ab und an mal einen „Trip“ einzuwerfen. John Densmore war den Ausschweifungen gegenüber abgeneigter.

Ray Manzarek prägte durch sein Orgelspiel die Musik der Band entscheidend mit, zudem improvisierten er und Gitarrist Robby Krieger in langen Soli. Die aktive Zeit als Doors-Keyboarder bezeichnete Manzarek selbst als eine Zeit der höchsten Erfüllung, obwohl er abseits der Bühne manchen Exzess und besonders die stärker werdende Persönlichkeitsspaltung des Leadsängers Morrison kritisch betrachtete. Bei den Live-Auftritten konnte Manzarek dank eines eigenen Mikrofons mit ins Geschehen eingreifen, weshalb seine tiefe, markige Stimme in vielen Live-Aufnahmen zu hören ist. Einige Stücke, zum Beispiel Close To You, sang er selbst. Dennoch verdankt die Band ihre große Popularität vor allem dem als charismatisch empfundenen Sänger Jim Morrison, der der Gruppe ein Gesicht verlieh. Markant für The Doors war die von Improvisation und Morrisons exzentrischem Auftreten geprägte Bühnenshow.

Nach Morrisons Tod

Nach dem Tod von Jim Morrison am 3. Juli 1971 in Paris brachten die restlichen Bandmitglieder noch zwei Alben heraus, die aber wenig erfolgreich waren. Im April 1973 löste sich die Band auf. Zu einem Reunion-Konzert traten die drei überlebenden Doors-Mitglieder am 26. September 2000 noch einmal zusammen, gemeinsam mit mehreren Sängern (wie Ian Astbury von der englischen Rock-Band The Cult), die Morrisons Part übernahmen.

1993 wurden die Doors in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Das Jahr 2003 brachte wieder Bewegung in die Bandgeschichte. Mit Ian Astbury gingen Manzarek und Krieger zunächst in den USA wieder auf Tournee, wobei sie allerdings den Bandnamen in „The Doors Of The 21st Century“ geändert hatten. John Densmore lehnte ein Comeback ab. 2004 folgte eine Welttournee. Hintergrund für die Namensänderung ist ein in den USA anhängiger Rechtsstreit, der von John Densmore und den Eltern Jim Morrisons gegen die beiden übrigen Bandmitglieder initiiert wurde. Anstelle von John Densmore spielte jetzt Ty Dennis Schlagzeug und anders als früher trat die Band mit einem Bassisten (Angelo Barbera) auf. Am 22. Juli 2005 verbot der „Los Angeles Superior Court“ Manzarek und Krieger die Benutzung des Namens „The Doors“ sowie des Doors-Logos. Außerdem ordnete das Gericht an, dass Manzarek und Krieger alle Gewinne aus den „The Doors Of The 21st Century“ an die ursprüngliche Doors-Partnerschaft herauszugeben haben. Danach trat die Band unter dem Namen „Riders on the Storm“ auf.

Ein weiterer Prozess gegen die Urmitglieder der Band wurde von dem The Police-Schlagzeuger Stewart Copeland angestrengt, der zunächst als Schlagzeuger für die neuformierte Band vorgesehen war. Die Klage wurde abgewiesen.

Am 5. Januar 2005 verstarb der Manager der „The Doors Of The 21st Century“, Danny Sugerman.

Im März 2007 stieg Ian Astbury aus. Dafür wurde Brett Scallions als Sänger engagiert, der früher Sänger bei der Gruppe „Fuel“ war.

Am 3. Juli 2011 gingen Ray Manzarek und Robby Krieger erneut auf Welttournee. Aus Anlass des 40. Todestages von Jim Morrison begannen sie diese in Paris im Bataclan als „Ray und Robby of The Doors“. Als Sänger engagierten sie Dave Brock von der Coverband „Wild Child“. Angelo Barbera ersetzten sie durch den Bassisten Phil Chen.

2011 veröffentlichte Skrillex mit den Doors das Lied Breakn’ a Sweat, das für den Dokumentarfilm Re:Generation komponiert wurde.

Im Frühjahr 2012 berichtete Robby Krieger in einem Interview im Rahmen der Promotion für die 40th Anniversary Edition des Albums L. A. Woman gegenüber der Musikerzeitschrift Gitarre & Bass, dass es gemeinsame Proben mit dem lange Zeit abgeneigten John Densmore gegeben habe.[4][5]

Am 20. Mai 2013 erlag Ray Manzarek im Alter von 74 Jahren einem Krebsleiden.

Diskografie

Studioalben

The Doors

Strange Days

Waiting for the Sun

The Soft Parade

Morrison Hotel

  1. A. Woman

Nach Jim Morrisons Tod

Other Voices (1971)

Full Circle (1972)

An American Prayer (1978)

Breakn’ a Sweat (2011) gemeinsam mit Skrillex, auf dessen Album Bangarang

Konzertalben

Absolutely Live (1970)

Alive She Cried (1983)

Live at the Hollywood Bowl (1987)

In Concert (1991) – „Zusammenstellung aus den oben aufgeführten Alben“ (enthält auch eine vormals unveröffentlichte Version von „The End“)

Live in Detroit (2000)

Bright Midnight: Live in America (2001)

Live in Hollywood: Highlights from the Aquarius Theater Performances (2001)

Live at the Aquarius Theatre: The First Performance (2001)

Live at the Aquarius Theater: The Second Performance (2001)

Backstage & Dangerous: The Aquarius Theatre Rehearsals 1969 (2002)

Live in Hollywood (2002)

Live in Philadelphia ’70 (2006)

Live in Boston (2007)

Pittsburgh Civic Arena (2008)

Live at the Matrix 1967 (2008)

Live in New York (2009)

Live in Vancouver 1970 (2010)

Live at the Bowl ’68 (2012)

Kompilationen

Doors 13 (1970)

Die erste Größte-Hits-Zusammenstellung der Gruppe. Für Fans ein enttäuschendes Album, da kein neues Material enthalten war.

Weird Scenes Inside The Gold Mine (1972 (LP); 2014 (CD))

Diese Zusammenstellung erschien als Doppel-LP. Neben den erfolgreichsten Titeln der Gruppe waren auch unbekanntere B-Seiten und das bislang unveröffentlichte Stück Who Scared You enthalten.

The Best Of The Doors (1973)

Dieses Album erschien als Quadrofonie-Abmischung.

Greatest Hits (1980)

Eine Zusammenstellung bekannter Stücke.

Classics (1985)

Eine Zusammenstellung bekannter Stücke.

The Best Of The Doors (1985 (LP); 1987 (CD))

Diese Zusammenstellung wurde zuerst 1985 als Doppel-LP veröffentlicht. Die CD-Version erschien 1987.

The Doors Box Set (1997)

Diese Box enthält vier CDs und ein 56-seitiges Booklet. Auf den CDs finden sich frühe Demoversionen, Live-Aufnahmen und unveröffentlichte Stücke.

The Doors Complete Studio Recordings (1999)

Diese Sammlerbox enthält die ersten sechs Studioalben der Doors auf CD sowie als Extra die CD Essential Rarities mit Demoversionen und Live-Aufnahmen. Die Alben wurden für diese Box neu abgemischt, die Hüllen sind Nachbildungen der Schallplattencover. Ein umfangreiches Booklet mit Hintergrundinformationen und Liedtexten vervollständigt die Box.

Essential Rarities (2000)

Ursprünglich als Bonus-CD für das Box-Set erschienen, wurde das Album separat auf den Markt gebracht.

Legacy: The Absolute Best (2003)

Diese Doppel-CD enthält als Besonderheit den bislang unveröffentlichten Titel Celebration of the Lizard.

Perception: 40th Anniversary Box Set (2006)

Die Box erschien anlässlich des 40. Geburtstags der Gruppe. Die ersten sechs Studioalben wurden wiederum neu abgemischt. Zudem wurde jedes der Alben um Demoaufnahmen der jeweiligen Jahre ergänzt. Zusätzlich zu den normalen CDs enthält die Box die Alben auch als DVD-Audio-Versionen mit Abmischungen in 5.1.

Very Best Of (2007)

Ebenfalls zum 40. Geburtstag kam eine weitere Best-of-Zusammenstellung auf den Markt. Das Album erschien in drei Varianten: als Einfach- und als Doppel-CD sowie als Doppel-CD plus DVD. Die Alben enthalten die Stücke in den Versionen der neu abgemischten Perception-Box. Auf der Doppel-CD sind drei Stücke des Albums An American Prayer enthalten, die sich nicht auf der Perception-Box befinden: Bird Of Prey, Stoned Immaculate und Ghost Song.

Filmografie

1968 drehte Paul Ferrara zusammen mit der Gruppe A Feast of Friends (auch als The Doors – Feast of Friends), den ersten und einzigen Film, den die Doors je über sich selbst produziert haben. Laut der Programminformation von Arte, auf dem der Film am 1. August 2015 gezeigt wurde, ist er inzwischen auf Grundlage der Negative komplett restauriert worden, wobei auch die Farben korrigiert und gesäubert und die Tonspur vom langjährigen Doors-Begleiter Bruce Botnick neu abgemischt und überarbeitet wurden. Vorher war er allenfalls in kleineren Kinos in speziellen Programmen zu sehen.

1991 wurde die Bandgeschichte unter dem Titel The Doors von Oliver Stone verfilmt. Am 17. Januar 2009 zeigte Regisseur Tom DiCillo beim Sundance Film Festival erstmals seinen Doors-Dokumentarfilm When You’re Strange. Der Film kam in den USA am 9. April 2010 in die Kinos und bekam 2011 einen Grammy in der Kategorie „Best Long Form Music Video“.[9]

Auszeichnungen

Hollywood Walk of Fame als 2329. Stern auf dem Bürgersteig von Hollywood.

Rock and Roll Hall of Fame 1993.

 

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Dizzy Mizz Lizzy: „Dizzy Mizz Lizzy“

Deep Purple winken ganz stark bei diesem Album. Nicht die bekanntesten Sachen, man denke eher an Songs, die auch songwriterisch zu Black Sabbath gepaßt hätten, ekstatische Steigerungen zu bieten hatten und dennoch soundtechnisch trocken und nicht pompös gestaltet waren.

„Waterline“ wartet etwa mit einer wirklich nicht erwarteteten Dynamik auf – gestaltet im Endeffekt dadurch, daß man ein Ausbrechen der Songs erwartet – und genau das nicht passiert, sondern sich die Arrangements und das Songwriting wieder vollends in eine andere Richtung drehen. Die Vocals stellen gutes Mittelmaß dar, die Stimme ist gut, keine Frage, doch wird sie in der Abmischung schlicht nicht derart nach vorne gepeitscht oder bietet megamäßige Dominanz. Vielmehr fügen sich die Vocals ins Gesamtbild ein und das ist wirklich sehr heimelig, einnehmend und macht Lust auf mehr.

Einer der Höhepunkte ist definitiv „Silverflame“, zwar kein Partysong, aber mit seiner zarten, verletzlichen, nachdenklichen Atmosphäre überzeugt dieser Track absolut. Wer Crimson Glory mag bzw deren erdigere Phasen, Arrangements à la Leatherwolf oder Strukturen in Richtung Jezebel´s Tower, sit mit dieser Scheibe definitiv gut bedent.

Tracklist:

Water line Intro

Waterline

Barbedwired Baby´s Dream

Love Is A Loser´s Game

Glory

67 Seas In Your Eyes

Silverflame

Love Me A Little

Mother Nature´s Recipe

… And So Did I

Wishing Well

Hidden War

For God´s Sake

Too Close To Stab

 

 

Dead Meadow: „Old Growth“

Die Band kennt man einfach raus. Und abermals sei gesagt: Led Zeppelin, The Dors, Black Sabbath, Pink Floyd, einmak das Beste von diesen Band und interessant zu einem psychedelischen, progressiven und teils dumpfen Sound zusammengestellt.

Dead Meadow tauchen in eine ander Welt mit ihren Songs ab und „Old Growth“ bietet die perfekte Möglichkeit, da mitzumachen. Der Sound wirkt zeitlos, nur zu gut bekannt, fast wie selbstverständlich fängt man mittendrin an, mitzusummen, erahnt die nächsten Srrukturwechsel – und dennoch ist es stets etwas neues. Der Heavy-Sound der Band ist düster, eindringlich, abgespaced, eigenwillig – und hat nicht wenige trance-haftige Momente zu bieten.

Drängende Gitarren, die gebremst zu werden scheinen durch die darüberliegenden Vocals, eine Rhythmusgestaltung, die sich steigern ohne schneller zu werden, dei Band versteht es wirklich, Spannung aufzubauen und zu halten. Etwas in andere Gefilde taucht dabei der eher akutsisch gehaltene Track „Down Here“ ein und „´Till Kingdom Come“ wartet mit einigen schärgen Attacken von Synthie-Seite auf. Tolle Auflockerungen auf diesem abwechslungsreichen, warmen und fülligen Silberling. Absoluter Tip auch „What Neds Must Be“ – viele Tiefe, 70er und coole Heavyness.

Tracklist:

Ain´t Got Nothing (To Go Wrong)

Betwwen Me And The Ground

What Neds Must Be

Down Here

´Till Kingdom Come

I´m Gone

Seven Seers

The Great Deceiver

The Queen Of All Returns

Keep On Walking

Hard People/ Hard Times

Either Way

 

4Lyn: „Take It As A Compliment“

Sperrig und stur -eo empfindet man den Einstieg in dieses Album. Und das ist enorm reizvoll. Stoner Rock-Einflüsse lassen bei den Indie-Rockern auf diesem Silberling grüßen, die Tracks sind nicht leicht gestrickt, doch findet man enorm schnell einen Zugang und schon befindet man sich mittendrin.

Auch wenn die Songs eher schwerfällig und nicht allzu schnell wirken, ist ihnen eine gewisse Dynamik und vor allem eine satte Ausstrahlung inne. Besonders die Bassführung sticht bei diesem Output ins Ohr, werden dich hier die Details und die leicht fusion-mäßigen Effekte gekonnt arrangement-technisch in Szene gesetzt. Technisch ist an „Take It As A Compliment“ also absolut nichts auszusetzen.

Die Song bieten selbstredend einen guten Wiedererkennungswert, treten dabei aber nicht auf der Stelle, es ist einfach ein anspruchsvolles Album, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht nicht so wahrnimmt, das aus einem Guß ist. Memories werden dabei auch an Formationen wie Bodycount wach, den Rap ließen 4Lyn bei diesem Album nicht vollends außen vor. Daumen hoch und reinhören.

Tracklist:

Train

Drama Queen

Kisses Of A Strobelight

Incomplete

Chikken Song

Knukkohed

Eobane

Syndrome

S.T.C. /Shoot Them Canons

Take It As A Compliment

The Good Life Period

Portishead: „Dummy“

Fans von hintergründigem, mondän anmutenden Sounds à la Björk, Rya, teils Smashing Pumpkins werden bei diesme Album absolut auf ihre Kosten kommen, das ist schon mal klar. Vielen unter Euch dürfte auch der Song „Glory Box“ ein Begriff sein, der einen wirklich klasse Abschluß dieser Scheibe darstellt.

Atsmosphärischer, mehr aus dem Hintergrund agierender Indie-Rock mit leichten Alternative Einschlägen, ein bißchen Fusion, ein bißchen Psychedelic und fertig ist das Sound-Gemisch. Dabei gehen Portishead bei der Inszenierung ihrer Songs einfach nach dem Motto „Weniger ist mehr“ und setzen mehr auf die kraftvolle Entfaltung der Details und spärliche Instrumentierung, nur wenige Passagen werden durch komplette Akkorde gefüllt.

Wer gerne mal in andere Sphären abhebt, ungewöhnliche Songstrukturen mag und dabei melodisch eingelullt werden möchte, ist hier genau richtig. „Dummy“ ist, entgegen dem Titel, alch, ein erhaben wirkendes Album, das ein wenig wie von einer anderen Welt scheint. Leise und vorsichtig schleichen sich die Songs an, spitzbübeln mit dezenten Nuancen und Finessen… eine Platte mit viel Liebe zum Detail, die keine oberflächliche Partylaune versprühen muß, um sich im Ohr einzunisten. Bombast sucht man hier vergebens.

Tracklist:

Mysterons

Sour Times

Strangers

It Could Be Sweet

Wandering Star

It´s A Fire

Numb

Raods

Pedestal

Biscuit

Glory Box

4Lyn: „Neon“

Wandlungsfähig ohne Ende ist diese Band und ich leg Euch dieses nicht mehr ganz so taufrische Album nur zu gern ans Herz. “Neon” entführt in Sphären à la U2, Depeche Mode – weiche, tragende und doch dezente Vocals mit einer Menge Gefühl, die Instrumentierung absolut gleich berechtigt – jeder Song bietet seine eigen Welt der Indie-Rocker.

Auf diesem Silberling finden sich viele Momente, die stark die Wave-Szene bedienen, doch auch dezenter, melancholischer Rock, nicht zu emotionstriefend ist angesagt. Eine gewisse Sehnsucht steckt in den mal voluminöser, mal spartanisch gestrickteren Songs, doch eines haben alle gemeinsam: Eine unglaublich einnehmde Stimmung, eingängige Melodien, die nicht von der Stange sind und Songs, die nicht mit der Tür ins Haus fallen und laut drauf los poltern.

Wer damit meint, der Scheibe würde es an Dynamik mangeln, hat sich gewaltig geschnitten. Unbedingt reinhören, Leutchen, beonders zu empfehlen: “Deadnekk”, natürlich “Lil Indians”, “Neon” und “Realcuties”. Nachdenklich und schmerzlich zart-schön.

Tracklist:

Me Is Me

2nd Round

Deadnekk

Pearls And Beauty

Not Like You

Lil Indians

Realcuties

Angry Horns

Non Of Y All

Bromblon City Anthem

Husky

Neon

Dead Meadow: „Feathers“

Ein Album, das mit einem Track namens “Let´s Jump In” beginnt, weckt andere Erwartungen… oder doch nicht? Nun ja, es geht einfach eben nicht in die Vollen mit Laut, schnell und heftig oder Partylaune, dafür aber umsi tiefsinniger. Gleich vorweg: Fans von Pink Floyd, leicht progressiven Elememten in der Songführung und Stoner Rock-Stimmung kommen bei Dead Meadow voll auf ihre Kosten.

Ui, und dann lassen da auch noch Black Sabbath grüßen – aber ganz gewaltig schreit hier der Doom Metal bzw Heavy. Das Album ist vertrackt, düster und motivierend zugleich, hat Power und setzt die richtigen Akzente. Von Überfüllung der Arrangements kann keine Rede sein: “Feathers” ist eine technisch erstklassige und runde Sache, die sich mit jedem Mal Hören mehr entfaltet.

Man könnte den Faden jetzt auch noch weiter spinnen und den Doors die Patenschaft zuschieben – so weit dürfte das gar niht hergheolt sein. Leute: Ran an den Speck bzw das Scheibchen!! Gebt Euch allein mal “Through The Gates Of The Silver Dor” – wenn das keine Reminiszenz an Led Zeppelin und The Doors zugleich ist, weiß ich auch nicht mehr…

Tracklist:

Let´s Jump In

Such Hawks Such Hands

Get Up On Down

Heaven

At Her Open Door

Eyeless Gaze All Eye – Don´t Tell The Riverman

Stacy´s Song

Let It All Pass

Through The Gates Of The Sleepy Silver Door

Bonus-Track

Sabaton: „Attero Dominatus – Re-Armed“

So, das bereits veröffentlichte Album hat hier also Zuwachs in Form einiger Bonustracks bekommen. Für die, die das Album bereits hatten, ein gelungener Anreiz und eine echte Bereicherung, und zudem eine gute Möglichkeit, auch neue Hörer auf dieses kleine Power Metal-Juwel aufmerksam zu machen. Sabaton beackern diese Scheibe wirklich mehr als gekonnt, enorm kraftvoll und dnamisch, eigentlich bleibt nicht viel Luft zum Atmen. Sänger Joakim Broden dominiert meldietechnisch das ganze Geschehen wie selbstverständlich, die Song fließen filigran und sauber arrangiert einerseits und brachial im Songwriting andererseits durch die Lauscher.

Es ist echt schwer, hier einen Anspieltip zu geben, denn was ein echter Metaller oder Heavy-Schnulli ist, legt die CD ein und läßt sich eh durchlaufen, weil man nicht mehr weg kommt. Mächtiges Baddabumm fabrizieren die Jungs hier nahtlos und auch wenn´s manche Eingefleischte mit einem Nasenrümpfen ur Kentnis nehmen werden: Also ich find die Version von Doro Peschs “Für Immer” gut und beherzt umgesetzt. Da stellt die Sprache hinsichtlich der Gefühle transportieren und der Betonungseigenheiten mal ausnahmsweise keine Barriere dar und wirkt nicht gekünstelt. So gemäßt “Ich hab zwar null PLan, was ich da sing, aber ich kräh einfach mal drauf los, wird schon passen”. Is´ hier nicht.

Kurz und gut: Kaufen, genißene, nochmal genießen, immer wieder genießen – Ohrwürmer gibt´s genug und die leihern auch nicht aus.

Tracklist:

Attero Dominatus

Nuclear Attack

Rise Of Evil

In The Name Of God

We Burn

Angels Calling

Back In Control

Light In The Black

Metal Crue

Bonus:

Für Immer

Langa Bollar Pa Bengt

Metal Medley

Nightchild

Primo Victoria