Dieversity: „Re/ Awakening“

Hui ui ui, na da haben wir ja ein Kleinod der härteren Fraktion. Progressive Elemente vermengen sich bei diesem Silberling gekonnt mit manch thrashigen Anleihen und lassen so manche Band echt blaß aussehen. Dabei sind die Wechsel zwischen den Genre typischen Elementen und Facetten derart fließend, daß man fast meint, anders gehört´s ja eigentlich gar nicht. Hier mal ein paar Synthies, da etwas brachialerer Sound, melodische Hooks, dann wieder ein bißchen Growling. Ein wuchtiger Fluß an spektakulären Songs mit prägnantem Drumming und ebenso tollen Basslines.

Am deutlichsten wird dies alles u.a. bei „On Your Own“, dieser Song vereint so ziemlich alle Elemente, die auf diesem Album zu finden sind, absolut spielerisch miteinander. Ganz klar, eine Party-Scheibe ist das nicht, aber wer will das schon immer. Ganz schön mächtig, was die Würzburger auf diesem Album zaubern. Robust, dynamisch und sehr, sehr energetisch zaubern sich die Würzburger durch dieses Album und liefern neben kniffligen Momenten nicht wenige Ohrwurm-Momente. Bei aller Spielerei und komplexem Songwriting bleibt die Tiefe des Materials nicht auf der Strecke, im Gegenteil, „Re/ Awakening“ ist auch in dieser Hinsicht sehr einnehmend. Empfehlen kann man das Scheibchen ruhigen Gewissens: Nicht nur Anhänger der komplizierten (progressive) Fraktion (jaja, ich weiß, es muß auch da nicht zwingend kompliziert sein, aber zumindest strukturell komplex, gelle) und des robusteren (Thrash) Metals sollten ein bzw zwei Ohren riskieren, auch die Gothic Metal-Szene dürfte absolut gut bedient sein und eigentlich jeder Metal-Freak, der nicht immer nur Heile-Heile-Welt haben will, sondern auch einfach mal Dampf unter der Schüssel. Ach ja, Soilwork´s Frontmann ist als Gastsänger mit von der Partie.

Tracklist:

Life

To Blind To See

Stop War Inferno

In Your Dreams

On Your Own

Don´t Teach Me

Speed Dial To Pain

Forget The Past

Re/ Awakening

Pardon!

Lightning: „Road To Ninja“

Fast seit zehn Jahren hat der Planet diese Band und besonders Melodic Power Metal-Fans wird´s freuen. Wer also auf Yngwie Malmsteen und Konsorten steht, ist bei den Japanern ganz vorn dabei. Diese Einflüsse hört man auch ganz deutlich hervor, das Gitarrenspiel ist immens von anderen Vertretern dieser Richtung geprägt, auch Vergleich zu Stratovarius, Freedom Call etc kommen einem in den Sinn. Man muß ganz klar sagen, daß The Lightning dieser Metal-Art sicher nicht neu erfunden haben, aber der Silberling geht sowohl technisch versiert als auch ausdrucksstark und absolut stark in der Umsetzung mehr als nur gut ab.

Das Riffing ist sehr intensiv und eindringlich, die Vocals zeigen sich elegant-melodisch und charismatisch, klassische Songwriting-Elemente, latente Renaissance-Klänge – all das findet der geneigte Hörer auf diesem Scheibchen. Auch bei den Hooks haben sich The Lightning nicht lumpen lassen. Kraftvoll, bombastisch manchmal, majestätisch hin und wieder und nie zu überladen und vollgestopft ist das Songmaterial detailliert und ebenso gut nuanciert in Szene gesetzt. Anspieltips – gute Frage: An sich ist es egal, mit welchem Song man sich an dieses Scheibchen herantastet, als Fan dieser Mucke wird man nicht enttäuscht werden. Und: „Heavy Metal (Of Destiny)“ ist entgegen dem Titel und x-fach bestätigten Vergleichsbeispielen kein abgedroschener Auf-Nummer-Sicher-geh-Mitgröhltrack. Schon allein das ist erfrischend.

Tracklist:

Man Of Men

Raise The Sun

Save The Truth

DESTINY Destination

Far Away

Stand Alone

Sldier Force

Heavy Metal (Of Destiny)

Thousand Fields

Sail Away

Raise The Sun (Japanese)

The Pretty Things: „The Sweet Pretty Things (Are In Bed Now, Of Course…)“

Sieben lange Jahre sollte es dauern. Bis sich The Pretty Things mit einem neuen Streich zurückmelden. Absolut chillig, mit einem satten Groove und bodenständig klingt dieser Silberling. Klar ist der Sound dieser Band in den 70ern hängengeblieben, ein Schelm, wer anderes denkt. The Pretty Things preschen nicht nach vorn, gemächlich, gemütlich, ein wenig Southern Rock-Flair, mal bluesig wie bei „And I Do“ oder einfach schön treibend-groovig bei „The Same Sun“. Fans handgemachter, zeitloser und erdiger Musik kommen hier auf alle Fälle auf ihre Kosten. Kraftvoll und zugleich relaxed scheinen The Pretty Things der Sound absolut geschmiert von der Hand zu gehen, mit einer derartigen Selbstverständlichkeit bekommt man hier eingängigen, logisch nachvollziehbaren und heimeligen Rock.

Dabei sind die Songs schon durchaus auch eigenwillig, liebäugeln mal in Richtung Bob Dylan, mal Lynyrd Skynyrd oder Steppenwolf. Altbacken wirkt hier gar nichts, gediegen ja – und genau das macht das enorme Ausstrahlungspotential dieses Scheibchens aus. Interessierten Rock-Fans sei auch „Turn My Head“ ans Herz gelegt, ebenso auch „Dark Days“. The Pretty Things präsentieren sich immer wieder von einer anderen Seite, doch es sind die kleinen Nuancen, während sie andererseits absolut unverkennbar bleiben wie eh und je.

Tracklist:

The Same Sun

And I Do

Renaissance Fair

You Took Me By Surprise

Urn My Head

Dark Days

Greenwiid Tree

Hell, Here And Nowhere

In The Soukh

Dirty Song

Lucifer´s Friend: „Banquet“

Auch hier handelt es sich um eine Neuauflage des Albums, das bereit 1974 via Repertoire Records erschienen ist. Den Vergleich, ob die Überarbeitung nötig war, können nur diejenigen unter uns anstellen, die die Erstveröffentlichung ihr Eigen nennen. Doch selbst wenn beim Original der Sound bereits derart brillant ist, hat es dieses Scheibchen mehr als verdient, nochmals in Erinnerung gebracht zu werden. Hier werden spielerisch Äras miteinander verbunden Swingelemente locjker flockig in Art und Melodic Metal eingebaut. Kein Song gleicht dem anderen, Abwechslung, vor allen in den Arrangements und den Details wird großgeschrieben.

Dennoch verlieren sich Lucifer´s Friend nicht in Frickeleien oder selbstverliebten Selbstdarstellungen, Endlos-Soli oder dergleichen. Harmonisch und dynamisch zieht diese Band hochwertiges Material mit viel Ausdruckskraft von Anfang bis Ende durch. Dies hier ist wirklich absolut feinster Art Rock oder wenn man so will auch Progressive Rock, der nicht aufdringlichen Art. Komplex ist das Material, keine Frage, doch leidet unter aller technischer Fertigkeit der Band der Sound zu keinem Zeitpunkt. Es ist absolut gigantisch, wie sich hier die Songs leichtfüßig steigern, wie auch die geradlinigsten Riffs Abwechslung bieten können. Ein tolles Muß-man-haben-Album. Zum Reinspitzen sei mal „Thus Spoken Oberan“ als Tip genannt. Wer Deep Purple, Pink Floyd und The Who mag, wird dieses Album lieben.

Tracklist:

Spanish Galleon

Thus Spoken Oberon

High Fly Lady – Goodbye

Sorrow

Dirty Old Town

Bonus Track: Our World Is A Rock´n´Roll Band

Lucifer´s Friend: „Mind Exploding“

Bei diesem Album handelt es sich um eine re-masterte Version aus dem Jahre 1976 – und die hat sich echt gewaschen. „Mind Exploding“ ist ein absoluter Leckerbissen für Fans melodischen Progressive Rocks, nicht zu vertrackt, zu verkniffen und absolut glasklar in Szene gesetzt. „Moonshine River“ startet dabei sehr rockig und erdig, mit nicht wenigen Anleihen an Uriah Heep. Dynamische und auch wieder zarte Melodieführungen bestimmen dieses abwechslungsreiche und bei aller Eingängigkeit auch eigenwillige Kleinod. Klar dürfen auch kleine Ausflüge in Richtung Fusion und Swing nicht fehlen, Musical-Teenage-Heavy kommt ebenso hoch. Jenes unverkennbare Flair der 70er Marke Meat Loaf und Co.

Die Breaks gestalten sich spielerisch, nicht zu knifflig, die Songs scheinen weder zu klang, noch zu kurz, zu langatmig – die Tracks sind absolut in sich stimmig, mit einem erstklassigem Gespür für geniale Songführung, Songwriting, Intonation und Inszenierung. Absolut empfehlenswert! Wer Lucifer´s Friend noch nicht kennen sollte: Ein Griff zu „Mind Exploding“ lohnt sich auch für Fans von Combos wie Poverty´s No Crime und weitere Vertreter des filigranen, harmonischen Prog Rocks bzw Art Rocks. Und neben anspruchsvoll ist dieses Scheibchen auch noch wahnsinnig eingängig.

Dynamisch, ab und an etwas bluesig, auch 70er-Purple-Fans, Toto-Anhänger, diejenigen, die Air Supply mögen, dürften hier zu Hause sein.

Tracklist:

Moonshine Rider

Blind Boy

Broklen Toys

Fugitive

Natural Born Mover

Free Hooker

Yesterday´s Ideals